Presseschau

17. November 2015

Wer soll uns pflegen?

Katholische Nachrichtenagentur

11. November 2015 – Am Dienstagabend in München lautete die Frage in der Katholischen Akademie in Bayern „Wer soll uns pflegen?“ Mitorganisator war das Gesundheitsforum der „Süddeutschen Zeitung“. Natürlich konnte auch diese Veranstaltung nicht den Königsweg bieten. Ans Rednerpult traten dieses Mal aber vier Frauen und ein Mann. Zu ihnen gehörte Birgit Schießl, gelernte Krankenschwester und heute Praxisreferentin der Hochschule München für den Studiengang Pflege Dual. Sie rief dazu auf, den Pflegeberuf attraktiver zu machen. (…) „Im Gesundheitswesen steckt so viel Geld, dass alle Berufsgruppen anständig bezahlt werden können“, ist die Referentin überzeugt.
Die Amtschefin des bayerischen Gesundheitsministeriums, Ruth Nowak, konnte auf erfolgreiche Imagekampagnen des Freistaats verweisen. Damit sei die Zahl der Einsteiger in den Pflegeberuf deutlich gestiegen. (…) Die Pflegenden stärken und ihnen eine Stimme geben – das hat sich die ehemalige Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, Schwester Basina Kloos, zur Aufgabe gemacht. (…) Es müsse mit den Pflegenden und nicht über sie verhandelt werden, so ihre Losung. In Rheinland-Pfalz ist es ihr gelungen, dass dort der Landtag am Ende für eine der ersten Pflegekammern Deutschlands stimmte. Barbara Just

Süddeutsche Zeitung

20. November 2015 – Ist moderne Technik die Antwort auf den in Deutschland vielbefürchteten Pflegenotstand? Nein, sagt Ruth Nowak, Amtschefin im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, im öffentlichen Podium des SZ-Gesundheitsforums und der Katholischen Akademie in Bayern zum Thema „Wer soll uns pflegen?“. „Das kann die Lösung nicht sein.“ Stattdessen müsse es gelingen, den Beruf des Pflegers attraktiver zu gestalten, forderte sie. Nicht Roboter seien die Antwort auf den Personalmangel in der Branche, sondern „ein dauerhaft zufriedenstellendes Berufsbild“. (…)
Im bayerischen Pflegeministerium ruhen viele Hoffnungen auf einem Gesetz, das Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) demnächst auf den Weg bringen will. Bislang gibt es drei unterschiedliche Ausbildungen für Pflegeberufe, diese sollen mit der neuen Regelung vereinheitlicht werden. (…) „Das Studium bringt der Branche einen Kompetenzzuwachs“, sagt Bernd Reuschenbach, Professor für Gerontologische Pflege an der Katholischen Stiftungsfachhochschule in München. Erfahrungen aus anderen Berufen zeigten, dass eine Akademikerquote von zehn bis 20 Prozent ideal sei. (…)
Für Basina Kloos, frühere Generaloberin der Franziskanerinnen im rheinland-pfälzischen Waldbreitbach und heute Geschäftsführerin der dort ansässigen Marienhaus Gesundheits- und Sozialholding, wird ein Pflege-Studium „nicht alle Probleme lösen, aber viele“. Es sei an der Zeit, den Pflegern „die Bedeutung in der Gesellschaft zu geben, die sie verdienen“, forderte sie. Da sei eine Aufwertung der Ausbildung ein wichtiger Schritt. Kim Björn Becker

Misericordia-Zeitschrift der Barmherzigen Brüder in Bayern

Ausg. 02/2016 – Um etwa 35 Prozent soll die Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland in den nächsten 15 Jahren steigen. Das heißt: es wird 2030 rund 3,5 Millionen Pflegebedürftige geben. Doch Pflegekräfte fehlen schon heute. Wie geht es weiter mit der Pflege? Die Tagung „Wer soll uns pflegen?“ in der Katholischen Akademie Bayern in München gab dazu einige Hinweise. (…) Birgit Schießl (…) forderte mehr Innovationsbereitschaft im Gesundheitswesen, um neue Ausbildungswege für die Praxis nutzbar zu machen. Sie diagnostizierte „erschütternd wenig Bereitschaft der Führungskräfte“ neue Konzepte zu entwickeln. Gebraucht würden in der Pflege nicht unbedingt „immer mehr Hände“, sondern eine „intelligente Aufgabenteilung“, um die Pflege von fachfremden Aufgaben zu entlasten. Schießl forderte höhere Löhne für die Pflegenden: „Im Gesundheitswesen steckt genug Geld, um alle Berufsgruppen angemessen zu bezahlen.“ Außerdem regte sie Arbeitszeitmodelle außerhalb des klassischen Drei-Schicht-Modells an. (…)
Bei der generalistischen Ausbildung, die derzeit im Schulversuch erprobt wird, sollen Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammengefasst werden und der Pflegeberuf dadurch an Attraktivität gewinnen. Allerdings befürchten manche, die Altenpflege und die Kinderkrankenpflege könnten an den Rand gedrängt werden. (…) Die viel diskutierte Akademisierung der Pflege ist in Deutschland noch nicht sehr weit fortgeschritten, stellte Bernd Reuschenbach fest – er ist Professor für Gerontologische Pflege an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München. Gerade einmal 4000, das sind etwa 0,3 Prozent der Pflegekräfte, seien akademisch gebildet. Der Wissenschaftsrat fordere einen Anteil von 10 bis 20 Prozent. In Bayern gebe es keinen einzigen universitären Lehrstuhl für Pflege. (…) Den Nutzen von Pflegekräften, die wissenschaftlich ausgebildet sind, brachte Reuschenbach auf den Nenner: „Akademisierung rettet Leben.“ Diese Pflegenden könnten ihr hohes Fachwissen zum Nutzen der Patienten einbringen, Führungsaufgaben übernehmen und den Ärzten auf Augenhöhe begegnen. Johann Singhartinger

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