Presseschau

03. Februar 2016

Wer soll uns pflegen?

Misericordia-Zeitschrift der Barmherzigen Brüder in Bayern
Ausg. 02/2016 – Um etwa 35 Prozent soll die Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland in den nächsten 15 Jahren steigen. Das heißt: es wird 2030 rund 3,5 Millionen Pflegebedürftige geben. Doch Pflegekräfte fehlen schon heute. Wie geht es weiter mit der Pflege? Die Tagung „Wer soll uns pflegen?“ in der Katholischen Akademie Bayern in München gab dazu einige Hinweise. (…) Birgit Schießl (…) forderte mehr Innovationsbereitschaft im Gesundheitswesen, um neue Ausbildungswege für die Praxis nutzbar zu machen. Sie diagnostizierte „erschütternd wenig Bereitschaft der Führungskräfte“ neue Konzepte zu entwickeln. Gebraucht würden in der Pflege nicht unbedingt „immer mehr Hände“, sondern eine „intelligente Aufgabenteilung“, um die Pflege von fachfremden Aufgaben zu entlasten. Schießl forderte höhere Löhne für die Pflegenden: „Im Gesundheitswesen steckt genug Geld, um alle Berufsgruppen angemessen zu bezahlen.“ Außerdem regte sie Arbeitszeitmodelle außerhalb des klassischen Drei-Schicht-Modells an. (…)
Bei der generalistischen Ausbildung, die derzeit im Schulversuch erprobt wird, sollen Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammengefasst werden und der Pflegeberuf dadurch an Attraktivität gewinnen. Allerdings befürchten manche, die Altenpflege und die Kinderkrankenpflege könnten an den Rand gedrängt werden. (…) Die viel diskutierte Akademisierung der Pflege ist in Deutschland noch nicht sehr weit fortgeschritten, stellte Bernd Reuschenbach fest – er ist Professor für Gerontologische Pflege an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München. Gerade einmal 4000, das sind etwa 0,3 Prozent der Pflegekräfte, seien akademisch gebildet. Der Wissenschaftsrat fordere einen Anteil von 10 bis 20 Prozent. In Bayern gebe es keinen einzigen universitären Lehrstuhl für Pflege. (…) Den Nutzen von Pflegekräften, die wissenschaftlich ausgebildet sind, brachte Reuschenbach auf den Nenner: „Akademisierung rettet Leben.“ Diese Pflegenden könnten ihr hohes Fachwissen zum Nutzen der Patienten einbringen, Führungsaufgaben übernehmen und den Ärzten auf Augenhöhe begegnen. Johann Singhartinger
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