Presseschau

30. November 2016

Vom Leben auf Kosten Dritter

KNA

30. November 2016 – Der Münchner Soziologe Stephan Lessenich sieht eine massive globale Umverteilung vom wohlhabenden nördlichen Teil der Welt in den südlichen als unausweichlich an. Grund dafür sei eine Lebensweise, die materiell, sozial und ökologisch die Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern massiv benachteilige, sagte Lessenich am Dienstagabend in München. Flankierend brauche es auch eine Umverteilung innerhalb der deutschen Gesellschaft, so der Direktor des Instituts für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität. (…) Über die Jahrzehnte seien materielle und soziale Kosten einer solchen westlichen Lebensweise in ärmere Länder ausgelagert worden. Lessenich sprach in diesem Zusammenhang von „Ausbeutung“. Auch die ökologischen Kosten seien bisher vor allem von jenen getragen worden, die eine Lebensweise hätten, die die Umwelt viel weniger belaste. Dafür gebe es keine angemessene Entschädigung. Über das Welthandelssystem sei Ungleichheit verrechtlicht worden, kritisierte der Soziologe. (…) Diese „Externalisierungsstrategie“ von sozialen, materiellen und ökologischen Folgen komme jedoch an ihre Grenze. Ein Beispiel dafür seien die Fluchtbewegungen. Auch der Klimawandel sei zunehmend im nördlichen Teil der Welt zu spüren. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Umverteilung nicht ohne massive Konflikte gehen wird“, betonte Lessenich. Bei vielen Leuten werde sich die alltägliche Lebensführung massiv ändern. Dies sei auch ein Grund, weshalb nicht nur Abgehängte, sondern auch bürgerliche Schichten Populisten wählten. „Die spüren unterbewusst, dass es ihnen an den Kragen gehen kann.“  Christian Wölfel

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