Presseschau

08. April 2011

Tschernobyl

Katholische Nachrichtenagentur

12. April 2011 - Der Atomunfall in Fukushima hat nach Ansicht des tschechischen Grünen-Vorsitzenden Ondrej Liska in seinem Land zu keiner Neubewertung der Kernenergie geführt. Erst auf längere Sicht werde sich die Diskussion ändern, sagte Liska am 8. April in München bei einer Tagung der Katholischen Akademie in Bayern. Aktuellen Umfragen zufolge befürworten 60 Prozent der Tschechen Atomkraftwerke, nur zehn bis zwölf Prozent stünden der Technologie kritisch gegenüber. Noch vor einem Monat hätten sich sogar 80 Prozent für die Kernenergie ausgesprochen.

 

Die Tagespost

12. April 2011 - Nach Auskunft des Geschäftsführers der Ökologie-Kommission der römisch-katholischen Kirche in der Ukraine, Aleksander Bokotey, werde bis 2022 eine Verdopplung der 20 derzeit in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke angestrebt. "Die wirtschaftliche Lage ist schlecht in meinem Land. Die Menschen denken zuerst ans Überleben. Das hindert sie daran, an Ökologie zu denken", so Bokotey. Dies zu ändern bemüht sich die katholische Kirche des Landes seit Jahren. Mit ökumenischen Projekten, vom Münchner LMU-Lehrstuhl für Christliche Sozialethik unterstützt, versuche man aus christlicher Schöpfungsverantwortung heraus, das Umweltbewusstsein der Ukrainer zu bilden. Oliver Maksan

 

Süddeutsche Zeitung

16. April 2011 - Man sieht ihm das nicht gleich an: Nikolaj Bondar ist eine kräftiger Mann mit Schnauzbart und großen, weichen, warmen Händen. Nur seine Stimme ist rau und versagt häufig. Als hätte er seine Geschichte schon zu oft erzählt. So wie an diesem Tag in der Katholischen Akademie in München. Wer könnte schließlich besser über die Unberechenbarkeit der Technik, die Fehlbarkeit des Menschen berichten als er? Bondar erzählt seine Geschichte, als lese er aus einem wissenschaftlichen Bericht vor. Dabei lächelt er. Das Wort "ich" vermeidet er. Es ist, als wolle der Distanz schaffen zwischen sich und den Ereignisse von damals. Hannah Beitzer

 

Christ in der Gegenwart

1. Mai 2011 - Nikolaj Bondar war damals 22 Jahre alt und Reservist der Armee. Zusammen mit einer Einheit von 750 Mann wurde er nach Tschernobyl abkommandiert. Dort schaufelten sie Sand in Hubschrauber, der über der Ruine abgeworfen wurde, und pumpten verseuchtes Wasser aus Kühlschächten. "Wir arbeiteten 16 bis 18 Stunden am Tag, unsere Haut wurde rot und warf Blasen. Wir dachten, es wäre ein Sonnenbrand. Heute wissen wir, es kam von der Strahlung." Auf einer Tagung der Katholischen Akademie in Bayern berichtete er von jenen dramatischen Tagen und vom Schicksal seiner Einheit. Nur noch 80 Mann sind am Leben.

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