Presseschau

27. Oktober 2014

Spiritualität und Medizin

Süddeutsche Zeitung
27. Oktober 2014 – Die verlorene Tochter der Medizin ist zurück. Lange Zeit wurde sie gemieden. Ihre Nähe zur Religiosität machte sie verdächtig. Die Spiritualität passte nicht zum Selbstverständnis der Medizin als einer forschenden Naturwissenschaft, deren Grundlage quantitativ messbare Ergebnisse sind. Seit den siebziger Jahren ändert sich dies langsam. Für die Medizin gewinnt die Spiritualität zunehmend an Bedeutung. In den vergangenen 40 Jahren stiegen die einschlägigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen im Bereich der Medizin von einigen wenigen auf knapp tausend im Jahr 2013 an. „Inzwischen haben wir erkannt, dass Spiritualität Teil der Lösung sein kann. Im Sinne von persönlicher Ressource und sozialer Unterstützung“, sagt Eckhard Frick auf dem SZ-Forum Gesundheit, einer gemeinsamen Tagung des Gesundheitsforums der Süddeutschen Zeitung und der Katholischen Akademie in Bayern. Frick leitet seit 2010 den Lehrstuhl für Spiritual Care an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Für ihn gehört die „Spiritualität zu den Bedürfnissen des Menschen wie die Bedürfnisse nach Nahrung, Nähe und Kommunikation“. Aber ein therapeutischer Akt werde nicht alleine dadurch spirituell, dass der Arzt einfach nur mit dem Patienten spricht, sagt Frick. Vielmehr müsse der Arzt die Sorgen und Ängste des Kranken wahrnehmen und sich in diese auch hineinfühlen. Tobias Dirr

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