Presseschau

17. April 2014

Schloss Suresnes

Münchner Merkur 

17. April 2014 – Die wenigsten Münchner wissen, dass es in Schwabing noch ein Schloss gibt: das Schloss Suresnes (gesprochen „Sürenn"). Versteckt im Garten der Katholischen Akademie, bekommen diesen kleinen, herrschaftlichen Palast in der Regel nur Tagungsgäste oder Akademie-Angestellte zu sehen. Er hat schon etliche interessante Bewohner kommen und gehen sehen.

Die Geschichte des Schlosses das heute an der Werneckstraße 24 liegt, beginnt bereits in der Kurfürstenzeit. (...) Nach der Rückkehr aus dem Exil 1715 kauft Max Emanuels Kabinettssekretär Franz von Wilhelm dem Kloster Wessobrunn das alte Schwabinger Schlössl ab, lässt es abreißen und erteilt Baumeister Johann Baptist Gunezrainer den Auftrag für einen Neubau nach dem Vorbild des Château de Suresnes. (...)

Nach dem Ersten Weltkrieg richtet sich der Maler Paul Klee in dem inzwischen verfallenen Lustschlösschen sein Atelier ein. Was er nicht weiß: Zur Zeit der Räterepublik 1919 versteckt sich der auf Fahndungsplakaten gesuchte Ernst Toller unter demselben Dach hinter einer Tapetentür. Ein Maler-Ehepaar hatte ihn dort versteckt. Allerdings wird der Schriftsteller. und Revolutionär verraten, entdeckt und zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt. (...)

Der Münchner Domkapitular und spätere Weihbischof Johann Neuhäusler bewirkt, dass es der Korbiniansverein der Erzdiözese München und Freising erwirbt. Zunächst dient es als Altersheim, Ende der 1960er Jahre bekommt die Katholische Akademie in Bayern einen Nutzungsvertrag. Sie renoviert das Schloss und nutzt es heute für Tagungsgäste, kulturelle und festliche Veranstaltungen, Seminare und Konferenzen. In einem sehenswerten Zimmer ist die Privatbibliothek des Theologen und Religionsphilosophen Romano Guardini zu besichtigen. Corinna Erhard

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