Presseschau

03. Februar 2014

Säkularisierung und Neuevangelisierung als Herausforderung für das Kirchenrecht

Kathpress

4. Februar 2014 – Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat sich am Montagabend zum deutschen Kirchensteuersystem und zu wiederverheirateten Geschiedenen geäußert. Das deutsche System der Kirchensteuer sei kein Dogma, aber es habe sich bewährt, so Marx bei einer Kirchenrechtstagung in der Katholischen Akademie München. Es gebe keinen Anlass, „von heute auf morgen auszusteigen“. (…)

Im Blick auf Wiederverheiratete warb Marx für einen helfenden Umgang seitens der Kirche. „Wenn wir das nicht schaffen, werden wir scheitern“, unterstrich er. Zum kirchlichen Arbeitsrecht sagte der Kardinal, ihn erschrecke, wie manchmal mit der kirchlichen Grundordnung umgegangen werde. Eine fristlose Kündigung sei eine „hohe Schwelle“, für die es „keinen Automatismus“ geben könne. Es gehe auch nicht, die kirchliche Identität eines Mitarbeiters nur an seiner Lebensform zu messen.

 

Katholische Nachrichten-Agentur

4. Februar 2014 – Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat vor deutschen Kirchenrechtlern auf ein Problem im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen hingewiesen. Diese fühlten sich für einen Neuanfang von der katholischen Kirche bestraft, sagte Marx am Montagabend in der Katholischen Akademie Bayern in München. Damit spielte der Kardinal darauf an, dass geschiedene Katholiken nach einer erneuten zivilen Heirat vom Kommunionempfang ausgeschlossen werden und bisweilen auch ihren Arbeitsplatz bei der Kirche verlieren.

4. Februar 2014 – Das deutsche System der Kirchensteuer hat sich nach Auffassung des Münchner Kardinals Reinhard Marx bewahrt Es sei zwar kein Dogma, sagte Marx am Montagabend bei einer Kirchenrechtstagung in München Es gebe aber auch keinen Anlass, „von heute auf morgen auszusteigen“. Die Folgen eines solchen Schritts auch für den Staat waren massiver als die der Säkularisation von 1803, warnte Marx.

4. Februar 2014 – Der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Prälat Karl Jüsten, sieht weiter Lernbedarf aufseiten der Kirche in Sachen Transparenz. Wenn Medien über Missstände wie etwa über Kindesmissbrauch oder Finanzskandale berichteten, seien nicht sie am schlechten Erscheinungsbild der Kirche schuld, sagte Jüsten am Dienstag in München. Die Kirche stelle hohe moralische Ansprüche an andere, deshalb seien auch die Anforderungen an sie höher. Dem müssten Bischöfe und auch Laien in verantwortlichen Positionen gerecht werden.

4. Februar 2014 – Kurienkardinal Francesco Coccopalmerio hat mit scharfen Worten Mängel in der säkularen Rechtskultur kritisiert. Zu den „schwersten Wunden“ der Gesellschaft zähle, dass sich das weltliche Recht vom moralischen Gesetz als seiner objektiven Wurzel getrennt habe, heißt es in einem Grußwort des Präsidenten des Päpstlichen Rats für die Interpretation von Gesetzestexten an einen Kongress deutscher Kirchenrechtler in München Dabei werde versucht, „in sich schlechten Handlungen einen legalen Anstrich zu geben“.

5. Februar 2014 – Kirchenrecht zahlt nicht unbedingt zu den Favoriten unter Studenten - weder bei Theologen noch Juristen. Zu trocken die Materie, lautet ein Verdikt, zu exotisch ein anderes. Dabei unterliegen die in Deutschland gewachsenen rechtlichen Beziehungen zwischen Staat und Kirche derzeit einem höchst spannenden und auch rasanten Wandel, mit dem sich eine hochkarätig besetzte Tagung des Münchner Klaus-Mörsdorf-Studiums für Kanonistik von Montag bis Mittwoch in der Katholischen Akademie Bayern befasste. (…)

Der Kölner Professor Stefan Muckel ist überzeugt, dass sich das zunächst nur mit den christlichen Kirchen ausgehandelte Reglement auch auf andere Religionen anwenden lässt. Die gefundenen Lösungen seien dafür flexibel genug. (…)

Der Staat müsse seinerseits „genau aufpassen, mit wem er Verträge schließt“, mahnt Muckel. Einerseits sei es „völlig lebensfremd“, zu erwarten, dass sich zuvor alle in Deutschland wohnenden Muslime einigen müssten. Andererseits komme es schon darauf an, dass der Vertragspartner die wesentlichen Strömungen vertrete. Sonst gebe es ständig Streitereien. Christoph Renzikowski

5. Februar 2014 – Rechtswissenschaftler haben von den beiden großen Kirchen in Deutschland Kompromissbereitschaft bei der Ablösung der sogenannten Staatsleistungen gefordert Es werde „allerhöchste Zeit“, dass dieser seit 1919 bestehende Verfassungsauftrag endlich eingelöst werde, sagte der Kölner Staatskirchenrechtler Stefan Muckel am Mittwoch in München. Angesichts der zunehmenden religiösen Vielfalt in Deutschland hätten alle Staatsleistungen auf Dauer keinen Bestand, die nicht allen Religionsgemeinschaften zukommen könnten und so dem Grundsatz der Gleichbehandlung widersprächen. (…)

5. Februar 2014 – Der Freiburger Religionssoziologe Michael Ebertz sieht eine „massive Selbstbeschädigung der Kirchen in Deutschland“ im Gange. „Man wartet förmlich jeden Tag darauf, welche nächste Kuh durchs Dorf getrieben wird, um dann geschlachtet zu werden“, sagte Ebertz am Montag in München. Es handele sich vielfach um „institutionelles Kontrollversagen“, das den Vertrauensschwund bei der Bevölkerung beschleunige. Häme liege ihm in diesem Zusammenhang völlig fern, erläuterte der Sozialwissenschaftler. Aber man könne in diesem Fall nicht auf „die böse Gesellschaft“ als Ursache verweisen.

 

KNA Informationsdienst

5. Februar 2014 – Den Kirchen empfahl der Freiburger Theologe und Soziologe Michael N. Ebertz, sich von einem „staatsähnlichen Selbstverständnis“ und entsprechenden Organisationsformen zu verabschieden. Eine Kirche, die auf Gehorsam und institutionelle Zwangsmittel setze, habe keine Zukunft. Die Rolle der Kirchen verschiebe sich in Richtung Zivilgesellschaft; dort könnten sie eine Vermittlungs- und Brückenfunktion einnehmen. Ob sie diese ausfüllen, liege vor allem an der Kirchenführung. (…)

 

Evangelischer Pressedienst

5. Februar 2014 – Für den Münchner Kardinal Reinhard Marx ist die Kirchensteuer kein Dogma. Sie sei aber ein geeignetes System, die Kirchenmitglieder nach ihren finanziellen Möglichkeiten an der Finanzierung der kirchlichen Aufgaben zu beteiligen, sagte Marx in München laut einer Mitteilung seines Erzbistums vom Dienstag.

Offen zeigte sich Marx beim umstrittenen Thema Staatsleistungen. Die Kirche werde sich nicht versperren, wenn es einen Willen der Politik zu einer Ablösung gebe. Der Ball liege aber im Feld der Politik, betonte der Münchner Erzbischof. Grundsätzlich plädiere er aber dafür, bei der „bewährten Ausgestaltung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche zu bleiben“, heißt es in der Mitteilung weiter. Wo es notwendig sei, müsse das System aber fortentwickelt werden.

 

Die Tagespost

13. Februar 2014 – In seinem Grußwort zur kirchenrechtlichen Tagung, die Elmar Güthoff, Stephan Haering OSB und Helmuth Pree vom Klaus-Mörsdorf-Studium für Kanonistik kürzlich in München zum Thema „Säkularisierung und Neuevangelisierung als Herausforderung für das Kirchenrecht" durchführten, unterstrich der Präsident des Päpstlichen Rats für die Interpretation von Gesetzestexten, Kardinal Francesco Coccopalmerio, dass die „Sorge um die Disziplin der Kirche nicht gleichbedeutend ist mit einer der Sendung der Kirche in der Welt entgegenstehenden Vorstellung, sondern ihr geht es um die rechte Haltung, um konsequent den Glauben in der Welt zu bezeugen". (…)

In den Diskussionen zeigte sich, dass die Kirche als Alternativmodell zum Mainstream durchaus Chancen hat, öffentlich wahrgenommen zu werden. Wenn das ursprüngliche Verständnis von Evangelisierung – die Verkündigung des Evangeliums als Reparatur der aus den Fugen geratenen Erde, wie Buckenmaier formulierte – dabei noch durchscheint, sind Konflikte um die Deutungshoheit gesellschaftspolitischer Fragen zwar vorprogrammiert, bieten aber auch Aufhänger, um zu zeigen, dass die Kirche mehr ist als eine Ethik- oder Sinnagentur. Regina Einig

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