Presseschau

19. April 2013

Rom & Vatikan

Süddeutsche Zeitung

18. April 2013- Brechs Fotografien und auch seine Videokunst geben sich der Stadt auf unerwartete Weise hin. Er starrt gebannt, wo andere nicht hinsehen. Etwa auf die abgetretenen Grabplatten im Boden alter Kirchen. Findet den Makel hin der schönen Fassade, taktvoll und unverschämt zugleich. Und vor allem, er nimmt sich Zeit, auch wenn sie, wie er sagt, gegen ihn und die Stadt arbeitet. 2006 war Christoph Brech, der bei Franz Bernhard Weißhaar an der Münchner Akademie Christliche Kunst studiert hat, für ein Jahr Stipendiat der Villa Massimo. Rom, die fremde Stadt, hat er sich als Flaneur erschlossen. Das habe er sich zur Gewohnheit gemacht, sagt der Münchner mit dem amerikanischen Pass, der mittlerweile überall auf der Welt arbeitet und lehrt. So entstand die Idee zu seinem Rom-Tagebuch; die Essenz eines Tages, konzentriert in einem Foto. Jutta Czeguhn


Die Tagespost

25. April 2013 – Da sitzt Jesus beim letzten Abendmahl, in einem roten Gewand. Er hält still und leise lächelnd den Blick nach unten gerichtet, seine Arme öffnet er über dem Tisch wie um alles zu umfassen, während dicht um ihn herum die Apostel sitzen und wild durcheinander gestikulieren. Direkt unterhalb von Jesus hat sich ein Mädchen niedergelassen. Sie ist Japanerin, rot gekleidet. Auch sie hat den Blick nach oben gerichtet: auf dem Bildschirm ihres Mobiltelefons. Die Stühle rechts und links von ihr sind leer.

Eigentlich sei er mit den Gobelins von Raffael beschäftigt gewesen, erzählt der Fotograf und Videokünstler Christoph Brech, als sich ihm zufällig diese Szene bot: In der Sala VIII der Vatikanischen Museen in Rom. Spontaneität und Zufall spielen eine wichtige Rolle im Werk des 49-jährigen Künstlers, oder, präziser gesagt, das Offenhalten der Augen für den richtigen Moment. Anna Sophia Hofmeister

 

Straubinger Tagblatt

18. Mai 2013 – Auch in den melancholischen und märchenhaft unwirklichen Aufnahmen des mit Mahler-Musik unterlegten Videos „Il Ponte“ von 2011 hält Brech nicht den Stillstand, sondern ein Fließen fest, die Verwandlung eines Augenblicks in einen anderen: Im sich sanft kräuselnden Flusswasser unter einer römischen Brücke spiegeln sich deren Umrisse und die darüber laufenden Passanten wieder. Die stillste Video-Arbeit ist in der Kapelle des Hauses zu sehen. „Trapasso“ (Übergang) zeigt steinerne Menschen Antlitze von Grabplatten im Fußboden alter Kirchen, über die im Lauf der Zeiten Tausende von Besuchern gelaufen sind und deren Fußtritte diese Gesichtszüge fast ausgelöscht haben – ein Bild der Vergänglichkeit aller Materie und alles irdischen Daseins.

 

Münchner Kirchenzeitung

19. Mai 2013 – Es ist erst rund zwei Monate her, seit (...) der Argentinier Jorge Bergoglio in Rom zum neuen Papst Franziskus gewählt wurde – und doch schon Vergangenheit. Was bleibt, sind die Bilder (...). Auch der Münchner Fotograf und Videokünstler Christoph Brech (...) war an diesem Abend auf dem Petersplatz, doch die Fotos, die er von dort mitgebracht hat – und derzeit in einer Ausstellung der Katholischen Akademie zeigt –, sind alles andere als journalistische Bilder á la „so war es“.

Brech hat bei diesen Aufnahmen die Perspektive gewechselt. Er richtet seine Kamera zwar auch auf die berühmte Loggia, von der aus der Name des neuen Papstes verkündet wurde, aber sein Bild zeigt nicht diesen historischen Moment, sondern eine Situation danach: Acht rot gewandete und entspannte Kardinäle, die das Treiben unter sich betrachten. Karl Prestle

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