Presseschau

02. März 2011

Rationalität(en)

Salzburger Nachrichten

15. März 2011 - "Die Sprache ist die Ursache aller Missverständnisse." Der französische Autor Antoine de Saint-Exupéry lässt diesen banalen, bedeutungsschweren Satz seinen Kleinen Prinzen sagen. Unbestritten ist, dass aus der absichtlichen oder unabsichtlichen Fehlinterpretation von Aussagen Aversionen und Aggressionen entspringen können, bis hin zu Kriegen.

Besonders brisant wird es, wenn man aus der eigenen Sprache in eine Fremdsprache übersetzt. Zunächst ist alles noch harmlos. Man nimmt ein Wörterbuch und sucht die entsprechenden Begriffe: Haus, Baum, Berg, Fluss und Pferd sträuben sich nicht und lassen auch keinen Raum für gröbere Missdeutungen.

Schwieriger wird es allerdings, wenn es um sinnlich nicht mehr Wahrnehmbares geht, vor allem dann, wenn man es mit einer anderen, fremden Kultur zu tun hat. Und ob man will oder nicht, man macht die eigene Sprache zum Maßstab alles Fremden.

Der Jesuit Hans Waldenfels, der Fundamentaltheologie, Theologie der nichtchristlichen Religionen und Religionsphilosophie an der Universität Bonn lehrt, zeigte jüngst bei einem Symposion der Katholischen Akademie in Bayern, welche existentielle Bedeutung den Sprachen im interkulturellen Diskurs zukommt. Dabei geht es um nicht mehr und nicht weniger als um einen "Standortwechsel". "Übersetzung" meint, in eine andere Sprachwelt hinüberzuwechseln. Wie über eine Brücke könne der Mensch auf das andere Ufer wechseln, über-setzen. Franz Mayrhofer

 

Rupertus Blatt

15. Mai 2011 - Waldenfels, der selbst lange in Japan lebte und lehrte, zeigte bei der Tagung, dass sich auf westlich-europäischer Seite ein Umkehr, eine Konversion des Denkens vollziehen muss. Es geht dann nicht mehr um die Frage, wie sagen wir "Seele" oder "Ich" oder "Substanz" etwa in einer indischen Sprache, sondern um die Frage: Auf welche Wirklichkeiten stoßen wir, wenn die Inder von "atman" sprechen? Was sagt uns die Rede von "dharma"? Woran denken die Chinesen, wenn sie von "t'ien", vom "Himmel" oder von "fu", dem Glück, sprechen.

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