Presseschau

22. Januar 2011

Partnerschaft vor dem Ende

Münchner Kirchenzeitung

6. Februar 2011 - Die derzeitige Schwäche der Kirche ist nach Ansicht des Ex-Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof kein Anlass, das Staatskirchenrecht in Frage zu stellen. Das Christentum sei für das Gelingen des freiheitlichen Staates unverzichtbar, sagte Kirchhof bei einer Tagung der Katholischen Akademie in Bayern. Der Staat wisse, dass er die Sinnfrage nicht beantworten könne. Deshalb benötige er Institutionen, die dies könnten. Zugleich verteidigte der Jurist die Kirchensteuer. Mit ihr verbunden sei die klare Mitgliedschaft und Zugehörigkeit zur Kirche.

Katholische Nachrichtenagentur

26. Januar 2011 - Das Christentum ist deshalb für das Gelingen des freiheitlichen Staates unverzichtbar, wie Kirchhof betonte. Dieser lebe von Voraussetzungen, die er selbst nicht schaffen könne und wofür er Institutionen wie die Kirchen benötige. Von Werten will der Philosoph Hermann Lübbe indes nichts hören. Auch wenn heute keine Politikerrede mehr ohne dieses Wort auskomme, so sei der Begriff falsch gewählt. Seit Aristoteles werde er im Zusammenhang mit der Ökonomie verwendet. Durch die Philosophenbrille betrachtet wäre dann wohl der viel gescholtene Satz von Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, die Banker schafften als einzige noch Werte, doch nicht so falsch, kommt da der Zuhörer ins Grübeln. Lübbe spricht übrigens lieber von Tugenden oder auch von Gütern wie Wohlstand, soziale Sicherheit und Freiheit.

Bayerische Staatszeitung

28. Januar 2011 - Als Philosoph versuchte Lübbe, seinem Widerpart dadurch einen Strick zu drehen, dass er dessen Gedanken einfach weiterdachte. Nun gut, wir haben unser Staats-Kirchen-Recht. Werden wir es aber noch haben und stolz darauf sein, wenn die Kirchenaustritte anhalten und die Gläubigen Angehörige von Randgruppen sind? Dann müsste eigentlich der Staat aus lauter Dankbarkeit und in alter Verbundenheit mit dem Klerus für die Kirchensteuerausfälle gerade stehen - was er, Lübbe, natürlich nicht wolle, weil das im Grunde niemand wolle, auch Kollege Kirchhof nicht, was aber dennoch in der Logik des gepriesenen Verhältnisses läge. Und wenn die deutsche Bevölkerung vom Christentum schon so geprägt sei, dann seien staatliche Hilfen im Grunde überflüssig. Der Sonntag, meinte Lübbe, sei durch den Willen der Bevölkerung so gut geschützt, dass er die Fürsorge des Verfassungsstaates gar nicht mehr brauche. Oho, erwiderte Kirchhof, da lägen doch Gegenbeispiele vor. Roswin Finkenzeller

Die Tagespost

25. Januar 2011 - Dies machte irgendwann auch Kirchhof nachdenklich. "Ihr müsst was aus dem Sonntag machen", rief er den Kirchen zu und räumte die Gefahr einer kirchlichen Lähmung durch zuviel staatskirchenrechtliches Behagen ein. Dennoch sei die Schwäche der Kirchen kein Anlass, das Staatskirchenrecht zu ändern. Aber natürlich habe der Staat auch die berechtigte Erwartung an die Kirchen, dass sie ihrem Auftrag nachkommen. So sei es etwa durchaus denkbar, dass der Staat bei Gesprächen mit der personell immer ärger bedrängten Kirche Tipps aus seiner Erfahrung von Personalrekrutierung gebe. Was immer das heißen mochte: Ausdrücklich gratulierte er den CDU-Politikern, die in ihrem Brandbrief an die deutschen Bischöfe die Zulassung von viri probati forderten. Oliver Maksan

 

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