Presseschau

31. Januar 2012

Organspende

Auf dem Podium im Gespräch: der Philosoph Wilhelm Vossenkuhl, Moderator des Symposiums, der Mediziner Gerhard Paal, Initiator des Gesprächskreises "Ethik und Medizin", und der Chirurg Karl-Walter Jauch (v.l.n.r.).

NDR Info

5. Februar 2012 – Die Frage, ob die Organspende Christenpflicht sei, ging an den Moralthologen Konrad Hilpert: „Wenn Sie mir die Frage so spitz stellen, dann sage ich, ich schätze das nicht als Verpflichtung im strengen Sinn ein.“

Professor Hilpert war diese Frage von der Katholischen Akademie in Bayern vorgelegt worden, die in der zurückliegenden Woche zu einem interdisziplinären Forum zum Thema Organspende eingeladen hatte. (…)

Nicht unwidersprochen blieb auch in der Münchner Akademie unter den 150 Tagungsbesuchern die Wortwahl der auf dem Podium versammelten Fachleute; eine Teilnehmerin hatte in den Diskussionsbeiträgen eine Würdigung des Sterbeprozesses vermisst (…). Bernward Kalbhenn

 

Salzburger Nachrichten

6. Februar 2012 – Ist der Organspender wirklich tot? Bleibt seine Würde nach einer Organentnahme erhalten? Wie geht man mit den Angehörigen um? Ist Organspende womöglich sogar eine ethische Pflicht? Fragen über Fragen, denen sich der Arbeitskreis Medizinethik der Katholischen Akademie in Bayern vor Kurzem in München stellte.

Heinz Angstwurm, Neurologe an der Universität München, zeigte die Kriterien zur Feststellung des Todes, des biologischen Lebensendes des Menschen. (…) „In dieser Welt finden sich seelische Erscheinungen eines Menschen nur zusammen mit seiner Hirntätigkeit“, sagte Angstwurm. Dennoch müsse man Einwendungen gegenüber der Bedeutung des Hirntods als inneres sciheres Todeszeichen höchst einfühlsam begegnen. (…)

Wesentlich ist der einfühlsame Umgang mit den Angehörigen. Sie müssten auf die Differenz zwischen dem Tod der Person und dem Sterben des Körpers sorgfältig vorbereitet werden, unterstrich der Münchner Philosoph Wilhelm Vossenkuhl. Franz Mayrhofer

 

Münchner Kirchenzeitung

 26. Februar 2012 – Ja, nein, weiß nicht – so könnte das künftige Modell für die Organspende aussehen, auf das sich die Fraktionen im November mit der sogenannten Entscheidungslösung geeinigt haben. Die sieht vor, dass jeder Bürger mindestens einmal im Leben gefragt wird, ob er Organe spenden will oder nicht. Zwingen will der Staat die Bürger nicht zu einer Entscheidung.
 

Bayerisches Ärzteblatt

März 2012 – Welche Hoffnungen, Fragen und Ängste knüpfen sich an die Organspende? Wann ist der Hirntod tatsächlich eingetreten, welche gesetzlichen Regelungen greifen und welchen Belastungen sind die Angehörigen der Verstorbenen ausgesetzt? Fragen die Ende Januar auf einem interdisziplinären Forum der Katholischen Akademie Bayern in München diskutiert wurden. (…) Rund 150 Gäste hörten hierzu Vorträge aus den unterschiedlichen Perspektiven Medizin, Recht, Ethik und Religion. Sophia Pelzer

 

Altöttinger Liebfrauenbote

Interview, veröffentlicht am 11. März 2012:

Herr Prof. Hilpert, erfüllt das derzeit geltende Hirntodkriterium aus Ihrer Sicht als Moraltheologe die Bedingung der „moralischen Gewissheit“ als ethische Grundlage für die Feststellung des Todes eines Menschen?

Professor Dr. Hilpert: Der Hirntod ist ein medizinisches Kriterium dafür, dass das Leben der betreffenden Person zu Ende gekommen ist. (…)
Als Theologen haben wir keine eigene Kompetenz, die Richtigkeit dieses Kriteriums und seiner anthropologischen Bedeutung in Zweifel zu ziehen. Aber wohl haben wir die Aufgabe, den gefühlten Abstand zwischen dieser noch jungen medizinischen Sicht und den kulturell stark verankerten Vorstellungen von Sterben und Tod zu überbrücken.

 

Christ in der Gegenwart

Nr. 16/2012 – Für Uta Teßner stellt sich daher eine grundsätzliche Frage: „Vergrößert die Organspende das Leid der trauernden Familie?“

Auf einer Tagung der Katholischen Akademie in Bayern berichtete Uta Teßner von einer Amerikanischen Studie. 76 Prozent der befragten Angehörigen gaben an, dass dieser Schritt ihre Trauer nicht verstärkt habe. Etwa die hälfte empfand die Tatsache, dass jemand anderem so ein neues Leben ermöglich wurde, als tröstlich. Ein ähnliches aber nicht repräsentatives Bild zeigt sich in Deutschland. 88 Prozent alle, die der Organspende zustimmen, würden dies wieder tun. Michael Schrom

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