Presseschau

07. Februar 2011

Nach dem Krisenjahr

Süddeutsche Zeitung

9. Februar 2011 - Man muss nur ins Publikum blicken, um zu sehen, dass die These des Jesuiten Eberhard von Gemmingen den wunden Punkt trifft. Grauhaarige Menschen sitzen in der Katholischen Akademie, und wenn ein Prediger an einem normalen Sonntagsgottesdienst in die Kirchenbänke blickt, ist der Anblick ähnlich. Das Hauptproblem der katholischen Kirche, konstatiert der ehemalige Chef von Radio Vatikan, sei nicht etwa der Mangel an Priestern, sondern "unser Unvermögen, den Glauben an die nächste Generation weiterzugeben". Der "evangelischen Schwesterkirche" gehe es da ähnlich. Trotz verheirateter Pastoren, trotz Pfarrerinnen: vom Aussterben bedroht! Was ist zu tun? "Quomodo vadis, ecclesia?" - wie gehst du voran, Kirche, hatte die Akademie am Montagabend gefragt und dazu nicht nur den Vatikankenner von Gemmingen eingeladen, sondern auch den Soziologieprofessor Armin Nassehi und die evangelische Professorin Friederike Nüssel um eine Außenansicht gebeten. Monika Maier-Albang

Katholische Nachrichtenagentur

9. Februar 2011 - Nassehi erklärte, das Problem sei der drohende Verlust der Unterscheidbarkeit. Letztlich habe aber "die protestantische Sozialform von Kirche" fast die gleichen Schwierigkeiten, so die Analyse des deutsch-iranischen katholischen Wissenschaftlers. Auch dieser gelinge es nicht besser, Gläubige zu halten. Nassehi sprach sich dafür aus, die Frage nach der Kulturbedeutung des Katholischen zu stellen. Sie liegt nach Auffassung des Soziologen darin, in eine Welt, in der alle Beziehungen völlig symmetrisch werden, von der Familie bis zu den Organisationen, "Asymmetrien hineinzudenken". Der Professor sagte, nach seinem Dafürhalten sei religiöse Erfahrung "immer asymmetrisch". Totale Symmetrie bedeute, schlechte Argumente seien genauso bedeutsam wie gute, die Idee der Asymmetrie hingegen, dass es auch etwas gibt, das nicht beliebig sei.

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