Presseschau

26. Januar 2012

Mystik der offenen Augen

Katholische Nachrichtenagentur

27. Januar 2012 – Der Münsteraner Theologe Johann Baptist Metz hat die Seelsorgeplanung der katholischen Kirche in Deutschland kritisiert. Durch die Bildung „monströser Großraumpfarreien“ werde der „Beteiligungsschwund“ der Gläubigen immer mehr vergrößert, bemängelte der Professor am 26. Januar (…) in München bei einem Vortrag in der Katholischen Akademie in Bayern. Die Folge seien wachsende „Anonymität und Konfusion“. (…)

Die Auseinandersetzung mit Anhängern einer negativen Religionsfreiheit und dem buddhistischen Denken seien zwei zentrale aktuelle Herausforderungen für die Kirche.

Gegen die Spiritualität Buddhas, die in eine „antlitzlose All-Einheit“ münde, müsse das Christentum eine Mystik der offenen Augen setzen, sagte Metz. Der christliche Glaube könne nicht das Leid anderer ausblenden. Er müsse vielmehr „eine Schule des Sehens“ sein, „um die ins Blickfeld zu rücken, die sonst unsichtbar bleiben“.


Salzburger Nachrichten

 31. Januar 2012 – Er ist Jahrgang 1928 und gehört zu den ganz großen Theologen seiner Generation: Johann Baptist Metz, der dieser Tage in der Katholischen Akademie in Bayern seine „Mystik der offenen Augen“ dargelegt hat. Vor mehr als 400 Zuhörern in dem überfüllten Veranstaltungssaal in München skizzierte Metz die Leitidee eines Christentums, das seinen Mehrwert in die globalisierte Welt einbringt, aber zugleich dialogfähig mit anderen Religionen bleibt. (…)

Die Welt als Passionsgeschichte der Menschen zu lesen ist für Metz der Kern des Christentums, seine antiautoritäre, gewaltfreie und universale Botschaft. Entgegen der wörtlichen Bedeutung von Mystik – „die Augen schließen, ins Innere gehen“ – tritt Metz für eine Mystik der Gottesgerechtigkeit ein. Ein Mystiker ist in diesem Verständnis nicht einer, der nach innen gekehrt ist, der die Augen schließt und wegschaut, sondern einer, der hinschaut und benennt, was ist. Denn: „Niemand glaubt für sich allein.“ Josef Bruckmoser

 

Die Tagespost

2. Februar 2012 – 1963 hielt der heute vierundachtzigjährige Johann Baptist Metz seinen ersten Vortrag in der Katholischen Akademie in München. Die damalige Themenstellung entsprach eigentlich auch der von 2012, wobei die von Metz gewählten Titel den Wandel des Zeitgeistes anzeigen: Was 1963 als „Dialektik der christlichen Zuwendung zur Welt“ Zuhörer anzog, füllt heute den Saal unter „Mystik der offenen Augen – christliche Spiritualität in dieser Zeit“. (…)

In seinem Vortrag bot Metz eine Kurzfassung seines Denkens in plakativen Schlagzeilen. Dabei wurde auch seine Entwicklung von dem Versuch, die Transzendentaltheologie seines Lehrers Rahner mittels einer Theologie der Welt auf die Füße zu stellen, über die Theologie der Hoffnung – unter dem Einfluss des marxistischen Philosophen Ernst Bloch – zum Programm der politischen wie der narrativen Theologie sichtbar. Michael Karger

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