Presseschau

01. März 2013

Mario Draghi

Akademiedirektor Dr. Florian Schuller (li.) folgt intressiert der Antwort von EZB-Präsident Mario Draghi (re.) auf eine Frage aus dem Publikum.
Mario Draghi (re.) beantwortete im Anschluss an seinen Vortrag Fragen aus dem Publikum. Akademiedirektor Dr. Florian Schuller moderierte die Fragerunde.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

28. Februar 2013 -Der EZB-Präsident Mario Draghi hat am Mittwoch die Schaffung einer tiefgreifenden wirtschaftlichen und politischen Union in Europa gefordert. "Wir sollten gemeinsam Verantwortung für nationale Wirtschafts- und Finanzpolitik übernehmen, um sicherzustellen, dass Länder erst gar nicht in Schwierigkeiten geraten", sagte Draghi in einer programmatischen Rede in der Katholischen Akademie in München. Der Präsident der Europäischen Zentralbank berief sich dabei ausdrücklich auf Nächstenliebe und Subsidiarität. Diese Grundsätze sollten auch zwischen den Ländern des Euroraums gelten. Die Katholische Soziallehre verstehe Subsidiarität im Zusammenhang mit gegenseitiger Unterstützung. Christoph Ruhkamp


Die Abendzeitung

28. Februar 2013 - "Komm doch einfach nach München und stell' dich", hatte ihm der ehemalige Finanzminister und CSU-Chef Theo Waigel geraten. Als Antwort auf die Beleidigungen durch seine Partei. Deren Generalsekretär Alexander Dobrindt hatte den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi als "Falschmünzer" beschimpft. Draghi hatte in der Eurokrise vorgeschlagen, eine Zinsobergrenze beim Ankauf von Staatsanleihen aus Krisenländern einzuführen. Ein halbes Jahr sind diese Attacken her. Gestern kam Draghi nach München und erläuterte die Geldpolitik der EZB vor über 500 Gästen in der Katholischen Akademie.

 

Münchner Merkur

1. März 2013 - Er gilt als gewiefter Taktiker und nüchterner Zahlenmensch. Mario Draghi weiß, dass ein einziges falsches Wort von ihm weltweit die Börsen zum Absturz bringen kann. Klar muss der Präsident der Europäischen Zentralbank schon deshalb kühl und zurückhaltend wirken. In der Katholischen Akademie in der Schwabinger Mandlstraße präsentierte sich am Mittwochabend ein ganz anderer Mario Draghi. Er sagte - das war vorher ausgehandelt - kein Wort zu aktuellen Fragen, vor allem keines zur Lage in seiner Heimat Italien. Dafür gab er einiges von dem preis, was ihn, den scheinbar zu kühlen Währungshüter und ehemaligen Investmentbanker, wirklich bewegt. Diese Frage zog trotz des Fußball-Pokalspiels und des Starkbier-Anstichs mehr als 500 Zuhörer in den randvollen Saal der Akademie. Darunter waren Hypo-Vereinsbank-Chef Theo Weimer, Ex-Finanzminister Theo Waigel, der frühere bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu und der Philosoph Jürgen Habermas. Martin Prem

 

Süddeutsche Zeitung

1. März 2013 - Alexander Radwan ist Mitglied beim FC Bayern München und einem Starkbier nicht abgeneigt. Aber manchmal gibt es wichtigere Dinge im Leben. Die Rettung des Euro zum Beispiel.

Es ist ein typischer Münchner Abend: In der Stadt ist zu viel los. Da sind nicht nur die üblichen Soft-Openings der Boutiquen in der Maximilianstraße mit Flying Buffets. Im Angebot für die Großkopferten sind auch das Politikerderblecken auf dem Nockherberg und das Pokalspiel in der Arena, wo sich laut Uli Hoeneß gerade die "deutschen Verhältnisse" klären. Manche Leute sind so wichtig, dass sie alles schaffen. Radwan aber ist der gemütliche Typ, das tut er sich nicht an, er will einfach nur Mario Draghi sehen. Der Präsident der Europäischen Zentralbank spricht in der Katholischen Akademie. Ein eher unglamouröser Ort, für ein wenig Farbe sorgen nur die Plakate eines Häufleins Attac-Aktivisten vor der Tür. (...) Den EZB-Chef fragt Radwan später, wie er den Widerspruch beurteile, dass die Länder sparen und zugleich Wachstum erzeugen sollen. Draghi gibt darauf eine sehr wirtschaftsphilosophische Antwort - ohne eindeutige Lösung. Europa sei wie ein Fahrrad, man könne nicht fahren und gleichzeitig stillstehen, sagt er, da gibt er Radwan recht. Die EZB kümmere sich aber darum - "versprochen". Ulrike Heidenreich

Süddeutsche Zeitung

1. März 2013 - München, Mittwochabend. Mario Draghi ist zu Gast in der Katholischen Akademie, Journalisten aus aller Welt lauern mit Laptops auf den Knien, um auf keinen Fall zu wegweisende Worte zu verpassen, wo die Märkte doch gerade auf Italien lauern. Draghi, der ehemalige Wirtschaftsprofessor, beginnt mit dem Abschied Papst Benedikts, spricht von den ethischen Werten, die auch in der Wirtschaft wichtig sind, geißelt den Homo Oeconomicus, das lebensferne Modell des rein rationalen Handelns. Dann kommt er zu Marx, wohlgemerkt Kardinal Reinhard, nicht Nationalökonom Karl, lobt die katholische Soziallehre, anschließend Walter Eucken und die Soziale Marktwirtschaft. Schließlich skizziert er seine Vision eines politisch vereinten Europas. Die Aufgabe der Zentralbank dabei: Preisstabilität, für alles andere seien die Länder selbst verantwortlich. Punkt. Oliver Hollenstein


Evangelischer Pressedienst

1. März 2013 - Ohne Ethik ist nach Ansicht des Präsidenten der Europäischen Zentralbank Mario Draghi keine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung möglich: "Wir können uns kein Wirtschaftsmodell leisten, in dem Exzesse widerspruchslos toleriert werden, das sich ganz und gar auf die Selbstregulierung der Märkte verlässt und in dem Einzelne glauben, dass alles erlaubt ist und es keine Grenzen gibt", sagte Draghi am Mittwochabend in der Katholischen Akademie in Bayern. (...) Die gemeinsame Währung in Europa solle kein "Selbstzweck" sein, sondern den Frieden zwischen den Nationen und den gemeinsamen Wohlstand des Euroraums sichern, bemerkte Draghi abschließend. Lena Kettner


Der Neue Tag
1. März 2013 – Der EZB-Präsident wird an diesem Abend vielfach apostrophiert, als „preußischster Italiener“ oder als „katholischster Lutheraner“. Das nachdrücklichste Lob kommt vom ehemaligen Bundesfinanzminister Theo Waigel, der den Kontakt zu Mario Draghi hergestellt hatte. Dieser sei „ein introvertierter Mensch und an diesem Tag weit aus sich herausgegangen.“ Der Akademiedirektor erzählte, dass der EZB-Präsident ursprünglich sogar in der Akademie übernachten wollte, aber wegen der Entwicklungen zurück nach Frankfurt müsste. „Ein guter Freund wird erst in einer schwierigen Zeit erkannt“, sagte Florian Schuller, auch er ein Jesuitenschüler, zum Abschied. Alexander Pausch


Der Spiegel
4. März 2013 – Zur Welt des Glaubens pflegt Mario Draghi ein enges Verhältnis. Seine Schulbildung erhielt der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) in einem römischen Jesuitenkolleg, er schrieb Namensbeiträge für das Vatikan-Blatt „L’ Osservatore Romano“, und als er vergangene Woche Grundsätzliches zur Krise im Euro-Gebiet zu sagen hatte, wählte er als Ort der Verkündigung die Katholische Akademie in München. Nächstenliebe sei „nicht nur ein ethischer Grundsatz des christlichen Glaubens“, predigte er neben einem von Kerzen beleuchteten Kruzifix, sie sei „auch aus ökonomischer Sicht überaus sinnvoll“. (…)
Kein Wunder, dass Draghis Appelle an die Regierungen allmählich die Form von Predigten annehmen. „Der Einzelne muss tun, was er kann, bevor er sich hilfesuchend an die Gemeinschaft wendet“, erklärte Draghi seinen Zuhörern. „Dasselbe gilt für die Länder des Euro-Raums.“ Dinah Deckstein


Straubinger Tagblatt
1. März 2013 – In München lernen die Zuhörer zunächst einen ganz anderen Draghi kennen: den Katholiken Draghi. So erinnert sich der Italiener zu Beginn seines Vortrags an seine Zeit in der Jesuitenschule. Damals habe er gelernt, dass alles Streben immer mit Integrität und einer moralischen Zielvorgabe verbunden sein müsse, sagt Draghi. Das bedeutet für ihn auch: Ohne Ethik kann es keine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung geben. „Wir können uns kein Wirtschaftsmodell leisten, in dem Exzesse widerspruchslos toleriert werden, das sich ganz und gar auf die Selbstregulierung der Märkte verlässt und in dem Einzelne glauben, dass alles erlaubt ist und es keine Grenzen gibt.“ Markus Lohmüller


Rheinische Post
2. März 2013 – Der Präsident der Europäischen Zentralbank EZB, Mario Draghi, plädiert für eine Wiederbelebung der Christlichen Soziallehre in der Wirtschaftswelt. Der von Jesuiten geschulte italienische Ökonomieprofessor sagte bei der Katholischen Akademie Bayern in München: „Ganze Länder leiden unter den Folgen fehlgeleiteter Politik“. Die Krise habe das Vertrauen erschüttert, ob der Markt in der Lage sei, Wohlstand für alle hervorzubringen. Draghi: „Europas Sozialmodell wurde auf eine Belastungsprobe gestellt. Das rationale Handeln des „Homo oeconomicus“ schien losgelöst von ethischen Erwägungen wie Nächstenliebe, Mitgefühl und Anstand.“ Reinhold Michels


Die Tagespost
3. März 2013 – „Die Regierungen müssen die strukturellen Probleme in ihren Ländern angehen“, forderte Mario Draghi vor rund 550 Gästen. Mit grundlegenden Reformen könne das Wachstumspotenzial der Volkswirtschaften im Währungsraum erhöht und die „äußerst dringliche Bekämpfung von Arbeitslosigkeit“ ermöglicht werden. Draghi forderte mehr Wachstum in der Eurozone. „Dies ist nur möglich, wenn wir entschlossene Reformen umsetzen“, so der Notenbankchef. Das sei aber die Aufgabe der Politik und nicht der EZB. Wir können keine unsoliden Haushalte in Ordnung bringen. Wir können nicht die tief verwurzelten strukturellen Probleme der Volkswirtschaften in der Eurozone lösen“, meinte Draghi. Clemens Mann


Augsburger Allgemeine
1. März 2013 – Der Italiener schweigt zu Italien. Er ist jemand, der nicht immer sagen kann, was er denkt. Zur Wahl in seinem Heimatland äußert sich der Chef der Europäischen Zentralbank deshalb nicht in seinem abendlichen Gastvortrag an der Katholischen Akademie, einen Steinwurf vom Englischen Garten entfernt. Denn ein falscher Satz Mario Draghis kann an den Finanzmärkten schnell zu Verwerfungen führen. Erst neulich hatte sein skeptischer Kommentar zu den Euro-Kursgewinnen der Gemeinschaftswährung am gleichen Tag den kräftigsten Kursrutsch seit über einem halben Jahr beschert. Michael Kerler


FinanzNachrichten.de

27. Februar 2013 – Draghi forderte zudem Reformen, die das Geschäftsklima in der Eurozone verbessern. Sie sollen garantieren, „dass Steuerpflichtige ihre Steuern auch tatsächlich zahlen“. Zudem sollten die Reformen in den Staaten der Eurozone nicht nur auf höheres Wachstum, sondern auch auf die Schaffung von Arbeitsplätzen abzielen.


zurück