Presseschau

08. Juli 2011

Leitkultur – Leitethik

Nürnberger Zeitung

9. Juli 2011 – Ein richtig scharfes Kampfbeil ist der Begriff Leitkultur derzeit nicht. Die Wogen der parteipolitischen Stürme sind ziemlich glatt. Trotzdem ist es wichtig darüber zu diskutieren, denn das Beil kann plötzlich wieder ausgegraben werden. Schließlich ist für manche in der Republik das Wort Islam ein Kriegsruf der befürchteten Überfremdung.

Also hat die Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus zusammen mit der Katholischen Akademie in Bayern gestern eine Tagung unter der Schlagzeile „Leitkultur – Leiethik: Zumutung oder Selbstverständlichkeit?“ gestartet. (…)

Während Julian Nida-Rümelin den großen philosophischen (und durchaus ein wenig akademischen) Bogen vom rational begründeten Liberalismus über den kulturell verankerten Kommunitarismus hin zur eigenen Synthese vom „Humanismus als Leitkultur“ schlug, versuchte Günther Beckstein seine kulturhistorischen Bemerkungen zu der Behauptung „Leitkultur (k)eine Zumutung!“ realpolitisch zu verankern. Herbert Heinzelmann

 

Nürnberger Nachrichten

11. Juli 2011 – Am Ende kam aus dem Auditorium die Erkenntnis, der Begriff „Leitkultur“ sei wohl doch zu verbrannt, um ich weiter zu benutzen. Bei keinem der Referenten am zweiten Tag der Tagung „Leitkultur – Leitethik: Zumutung oder Selbstverständlichkeit?“ im Caritas-Pirckheimer-Haus hatte er Gnade gefunden. (…) Der iranisch-deutsche Schriftsteller Said, für den Erkrankten Islamwissenschaftler Hamed Abdel-Samad eingesprungen, sagte, das seien „Begriffe, die Politiker schamlos um sich werfen, um alle vier Jahre gewählt zu werden“.

Und Oberbürgermeister Ulrich Maly, dem das Wort Leitkultur schon lange nicht gefällt und der den Austausch mit Leitethik empfohlen hatte, zeigte sich nun auch mit diesem Begriffunzufrieden. Er schlug „Mehrheitskultur“ als Zustandsbeschreibung vor und bot die Identifikation mit der kommunalen Heimat als Lösungsmöglichkeit für Integrationsprobleme an.

 

Katholische Nachrichtenagentur

12. Juli 2011 – Den Auftakt machte der Münchner Philosoph Julian Nida-Rümelin. Als SPD-Mitglied und früherer Kulturstaatsminister in der rot-grünen Budnesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder dürfte seine Ansicht auf den ersten Blick klar sein. Wäre da nicht sein 2006 erschienenes Buch „Humanismus als Leitkultur“.

Über den Titel sei er anfänglich nicht glücklich gewesen, räumte Nida-Rümelin ein, „doch jetzt stehe ich dahinter“. Das Lager gewechselt hat er nicht, aber ohne politisches Amt ist es einfacher, darüber zu philosophieren. Die Teilnehmer nahm er mit auf eine Reise durch die Gedankenwelt prominenter Geisteswisschaftler von John Rawls bis Jürgen Habermas. Barbara Just

 

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

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