Presseschau

06. Mai 2014

Klosterbauten ohne Orden

Katholische Nachrichten-Agentur

7. Mai 2014 – Die weitere Nutzung verlassener Klostergebäude in Bayern geht nach Ansicht des ehemaligen Bundesfinanzministers Theo Waigel (CSU) auch den Freistaat an. (…)

Die Zahl der Ordensleute geht aufgrund von Überalterung und fehlenden Neueintritten bundesweit seit Jahren zurück. Habe es vor vier Jahren noch allein 25.000 Ordensfrauen gegeben, so werde diese Zahl heute nicht einmal mehr mit den Ordensmännern zusammen erreicht. Das erläuterte der Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK), der Abt von Windberg, Hermann Josef Kugler. (…)

Beide äußerten sich auf einer Veranstaltung der Katholischen Akademie in Bayern zum Thema "Klosterbauten ohne Orden Dimensionen und Herausforderungen".

7. Mai 2014 – Mit diesem Problem setzte sich am Dienstagabend in München eine Tagung der Katholischen Akademie in Bayern auseinander. Unter dem Titel "Klosterbauten ohne Orden" ging es darum, Dimensionen und Herausforderungen auszuloten. Denn es sind eben "mehr als Klöster", die da dichtgemacht werden, erinnerte Ferdinand Kramer. Traditionen gehen zu Ende und Mittelpunkte in Regionen fehlen auf einmal.

Der Münchner Professor für Bayerische Geschichte verwies darauf, dass gerade Bayern über Jahrhunderte rund 1.000 Klosterstandorte kannte. (…)

Besonders gefragt waren ihre sozialen Dienste, etwa in der Krankenpflege. Nicht zuletzt deshalb ließ König Ludwig I. viele in der Säkularisation geschlossenen Klöster im 19. Jahrhundert wieder neu gründen. (…) Doch wo sind heute die Kräfte, die den Umbruch der monastischen Landschaft gestalten wollen? Barbara Just

 

Süddeutsche Zeitung

8. Mai 2014 – So sollte sich das von Finanzminister Markus Söder (CSU) geführte Heimatministerium im Rahmen des Landesentwicklungsplans darum kümmern, forderte Waigel am Dienstagabend in München. Dazu brauche es eine entsprechende Finanzausstattung. (...) Er werde dieses Anliegen in den nächsten Tagen bei einem Treffen mit Söder und Ministerpräsident Horst Seehofer vortragen.

Leserbrief vom 12. Mai 2014 – Die Veranstaltung der Katholischen Akademie Bayern zum Problem des Klostersterbens kam spät; umso verdienstvoller war sie. Denn seit Jahrzehnten ist absehbar, dass erschreckend viele bayerische Kloster, insbesondere Frauenklöster, aus Nachwuchsmangel schließen müssen. Eine Trendumkehr ist nicht zu erkennen, und Ausnahmen (...) bestätigen nur die Regel. Diese Entwicklung trifft den Kulturstaat Bayern an einer besonders empfindlichen Stelle, denn Bayerland ist seit dreizehnhundert Jahren Klosterland. Prof. Egon Johannes Greipl

Leserbrief vom 19. Mai 2014 – Die Themen „leer stehende Klöster“ und „Unterbringung von Flüchtlingen“ gehören derzeit zu den aktuellen und wohl auch ungelösten Problemen in Bayern (und nicht nur da). Umso mehr wundert es mich, dass es bisher noch niemand eingefallen ist, sie miteinander zu verknüpfen. Eine Verbindung der beiden Problematiken könnte nämlich für beide zumindest Teillösungen ergeben. In den Klostergebäuden könnten menschenwürdige Unterkünfte für Asylbewerber, Flüchtlinge und wohnungslose Migranten geschaffen werden. Andrea Sommer

Leserbrief vom 19. Mai 2014 – Das Prinzip „Kloster“ ist gut und wertvoll. Wir sollten es bewahren. Nur geben die momentanen ihren Geist auf. Es ist Zeit für neuen Geist, einen forschenden, weltoffenen mit Hand und Fuß. Kloster sollte Kloster bleiben, Konversion nur innerlich geschehen – vom Glauben zur Philosophie (...). Dr. Christian Zippel

 

Die Tagespost

10. Mai 2014 – Der Prämonstratenserabt von Windberg, Hermann-Josef Kugler, kennt im eigenen Orden das Problem des Nachwuchsmangels nicht. In Windberg und seiner schwäbischen Filiale Roggenburg floriert das monastische Leben – und das nach einem wahren Dornröschenschlaf. Als der Orden Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) um Unterstützung bat, hatte er das selbst nicht für möglich gehalten.

Mittlerweile strahlt Kloster Roggenburg mit seinem Zentrum für Familie, Umwelt und Kultur über die Region hinaus. Fantasie, Kreativität, Mut und finanzielle Hilfe sind nötig, um neue Wege zu gehen, sagte Kugler, der auch Vorsitzender der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) ist. Dafür mussten sich aber Orden, Diözese, Pfarrgemeinde, Kommune, Landkreis und Bezirk an einen Tisch setzen. Dass nicht in jedem alten Kloster wieder ein Orden einziehen kann, ist ihm bewusst.

zurück