Presseschau

13. Februar 2012

Katholische Lebensstile

Katholische Nachrichtenagentur

15. Februar 2012 – Der Journalist Matthias Matussek hat die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Karin Kortmann, scharf angegriffen. Vor lauter Reformvorschlägen in der Kirche bleibe gar keine Zeit mehr für die eigentliche Ausübung des Glaubens, sagte der „Spiegel“- und Buchautor am 13. Februar Abend in der Katholischen Akademie Bayern in München. Die SPD-Politikerin dagegen meinte: „Wir tun nicht gut daran, einzelne Gruppen zu beschimpfen, die Reformvorschläge machen.“

 

domradio.de

14. Februar 2012 – Unterschiedlicher könnten die Redner in der Katholischen Akademie in Bayern am Montagabend nicht sein: Hier die Sozialpädagogin, Politikerin und Laienvertreterin. Dort der Buchautor, „Spiegel“-Journalist, Provokateur und Ex-Maoist.(…)

Neben dem Zölibat und dem Frauenpriestertum ist die Ver- oder Entweltlichung der Kirche Hauptstreitpunkt zwischen den beiden. Zu einer Diskussion auf Augenhöhe kommt es nicht. Matussek unterbricht, lästert über „Backe-Backe-Kuchen-Gottedienste“ und Reformvorschläge, die keine Zeit mehr ließen, zur Messe zu gehen. Kortmann versucht, ihn zu beruhigen (…).

Vielleicht fehlt eine gemeinsame Sprache. Veronika Wawatschek

 

Die Tagespost

16. Februar 2012 – Matthias Matussek, Spiegel-Redakteur, gab den vielschreibenden Systemkritiker mit wuscheligem Haar, den auch der Vorwurf, doppelt unangepasst zu sein, nicht glattbürsten konnte. Wer sich „loyal zum Heiligen Vater“ erklärt (Matussek), wolle Ungleichförmigkeit gegenüber der säkularen Welt und gegenüber Kirchenmitgliedern, die sich dem Säkularen zu sehr geöffnet haben, zeigen. Er setze auf Ideologie statt Glauben, auf diskriminierende statt wohltuende Unterschiede, glaubt Hans-Joachim Höhn, Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Kölner Universität. „Eine Kirche, welche zur Welt auf Abstand geht, steht in der Versuchung, sich in einen dogmatischen Rigorismus und liturgischen Ästhetizismus zu flüchten“, warnte er im Eingangsreferat. Michaela Koller

 

Rheinische Post

22. Februar 2012 – Die Katholische Akademie in Bayern hat einen exzellenten Ruf als Küche geistiger Nahrung. Ob bei Abendveranstaltungen oder Tagungen – es wird intellektuell kalorienreiche Kost serviert, man geht hernach in aller Regel gesättigt nach Hause. Manchmal, wie bei dem legendären Disput 2004 über Glaube und Vernunft zwischen Deutschlands herausragendem Philosophen, Jürgen Habermas, und Deutschlands berühmtem Theologen, Joseph Ratzinger (ein Jahr später: Benedikt XVI.), schrieb die Institution am Englischen Garten in München-Schwabing gar Geistesgeschichte.

Jetzt ein anderes, neues Akademie-Erlebnis: Es flogen die Fetzen beim Themenabend „Katholische Lebensstile in säkularisierter Gesellschaft“ oder, salopp formuliert: „Wie geht katholisch heute?“ Offener Streit auf dem Podium, scharfe Rede und Widerrede, Provokation, Attacke, Gegenangriff. (…) Die einleitenden, differenzierten Ausführungen des Kölner Theologen und Religionsphilosophen Hans-Joachim Höhn waren die sprichwörtliche akademische Ruhe vor dem Sturm, den Matussek entfachte, von dem sich Frau Kortmann aber nicht hinwegfegen ließ. Reinhold Michels

 

Münchner Kirchenzeitung

26. Februar 2012 – Und doch einen Karin Kortmann und Matthias Matussek ähnliche Kindheitserinnerungen. (…)

Die ersten Unterschiede in katholischen Lebensstilen, die der Titel des Abends verspricht, offenbaren sich in der Jugend. Kortmann wird mit 12 Jahren Pfadfinderin, erlebt Gemeinschaft. (…) Am Glauben zweifelt sie erstmals 1994, als die Strukturen in der Kirche trotz der Reformforderungen des BDKJ „noch klerikaler“ geworden seien. Matussek hat da nach einem jugendlichen Ausflug zum Marxismus wieder zum Katholizismus zurückgefunden, den er mit Verweis auf die Bergpredigt dem Kommunismus gar nicht so unähnlich findet.

Eine theologische Randbemerkung, die ansonsten einsam bleibt, in all der „theologischen Ahnungslosigkeit“, die Matussek eigentlich der Gesellschaft vorwirft, in der er aber auch selber durchaus glänzt.

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