Presseschau

21. November 2011

Kardinal Kasper

Katholische Nachrichtenagentur
23. November 2011 – Die Zeit der volkskirchlich geprägten Gestalt der Kirche neigt sich nach Ansicht von Kurienkardinal Walter Kasper in Deutschland und Europa ihrem Ende entgegen. Stattdessen komme etwas Neues, das „unter Geburtsschmerzen“ entstehe, sagte Kasper in München. Allerdings könne dieses Neue gegenwärtig nur in ersten Umrissen wahrgenommen werden – Der Kurienkardinal äußerte sich bei einem Vortrag vor rund 400 Besuchern in der Katholischen Akademie in Bayern.
Den epochalen Wandel der Kirche verglich Kasper mit dem Ende der alten feudalen Reichskirche nach den napoleonischen Kriegen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Das sei damals ein schmerzlicher Umbruch gewesen, der jedoch zu einem neuen Anfang in Gestalt der milieugestützten Volkskirche geführt habe. Gegenwärtig vertraue er darauf, dass qualifizierte und engagierte Gruppen wichtige Impulse für die Zukunft der katholischen Kirche liefern werden, sagte der Kardinal. Er wünsche sich, dass die synodalen Strukturen gestärkt würden und die Ortskirchen wieder mehr Kompetenzen bekämen.

Kathpress
22. November 2011 – Strukturreformen der Kirche brächten keine befriedigende Lösung für das Problem der Glaubenskrise, wie ein Blick auf die reformierten Kirchen zeige, meinte der Kardinal. Bei ihnen sei beispielsweise die Frauenordination eingeführt, und sie verfügen über starke synodale Strukturen. „Doch sie haben teilweise noch mehr Probleme als die römische Kirche.“
Der innerkirchliche Dialog sowie der ökumenische und auch der interreligiöse Dialog seien für die Zukunft der Kirche unverzichtbar, betonte Kasper. Indem die Beteiligten sich mitteilen, lernten sie ihren eigenen Glauben auch besser kennen. Das Zweite Vatikanische Konzil habe der Kirche „eine Laterne in die Hand gegeben für eine neue Art des Kirche-Seins“

Die Tagespost
24. November 2011 – Auch typisch deutsche Kritik am vermeintlichen Reformstau in der Kirche wies Kasper zurück. „Der Spruch, an der Basis geht es voran, oben wird gebremst’ ist schlicht ignorant“, stellte der Kardinal fest. Dass die meisten Vorschläge aus katholischen Mündern ausschließlich binnenkirchliche Perspektiven berücksichtigen, wird mittlerweile von vielen als ungesunde Abschottung empfunden. „Auch wir Christen haben die Wirklichkeit Gottes in der Welt verdrängt und verdunkelt“, kritisierte Kardinal Kasper und bedauerte, dass die nachkonziliare Diskussion hinter die positiven Ansätze des Zweiten Vatikanischen Konzils in rein innerkirchliche Strukturfragen zurückgefallen sei. Als „Selbsttäuschung“ bezeichnete er die Meinung, dass Menschen ohne Beziehung zur Kirche an diesen Querelen interessiert seien. „Wir brauchen eine theozentrische Wende in der Theologie und in der Praxis der Kirche“, erklärte er. Nicht Strukturreformen, sondern die Gottesfrage gehört an die erste Stelle der katholischen Agenda. Regina Einig

Süddeutsche Zeitung
23. November 2011 – „Inside Vatican“ – der Titel der Veranstaltung der Jungen Akademie klingt nach einem Thriller von Dan Brown, nach Mysterium und Verschwörung. Vor etwas 50 jungen Erwachsenen redete Kardinal Walter Kasper über die Frage: Wie geht es wirklich zu im Kirchenstaat?
In gediegener Kaminzimmer-Atmosphäre plaudert der Kardinal, tief in seinen Sessel gesunken, zunächst über seine Herkunft aus dem Allgäu und seine Zeit an der Universität. Trotz der „sehr schwierigen Zeit“ von 1968 mit den „schrecklichen Sit-Ins“ habe er es als Professor den Umgang mit jungen Leuten genossen. Dankbar das Publikum, auch heute. Zwar stellen die jungen Zuhörer, viele von ihnen aus einem theologischen Anfängerseminar, grundsätzliche Fragen, aber die kritische Diskussion bleibt aus. Simon Laufer

Der Neue Tag
28. November 2011 – Auf die Frage nach dem Stil in der Kurie sagt Kasper, es gehe nicht zu wie auf dem Exerzierplatz. Der Papst sage nicht: „Du musst“. Es gebe feinere Weisen, wie einem bedeutet werde, was zu tun oder zu lassen sei. Grundsätzlich werde aber im Vatikan alles konsensual entschieden. Auf die Frage nach Reformen antwortet der Kardinal, er wünsche sich mehr Kommunikation, etwa durch monatliche Treffen aller Führungskräfte, und er wünschte sich mehr Beteiligung der Frauen. Alexander Pausch

Münchner Kirchenzeitung
4. Dezember 2011 – Kasper prophezeite eine Rückkehr zur apostolischen Einfachheit. Es gebe „eine neue Art von Diaspora-Situation“. Nun lebten katholische und evangelische Christen gemeinsam in einem pluralistischen Umfeld. Das sei aber kein Grund zur Panik. Kasper sieht die Katholiken als „kreative Minderheit“ herausgefordert, eine missionarische Kirche zu sein. Es gehe um Qualität, nicht um Quantität. Andreas Schaller

 

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