Presseschau

26. April 2015

Heillos gespalten - segensreich erneuert?

katholisch.de
26. April 2015 - Als der Augustiner-Eremit Martin Luther im Jahr 1517 seine 95 Thesen zum kirchlichen Ablasswesen veröffentlichte, löste er damit zunächst vor allem eines aus: Diskussionen. Heute, fast 500 Jahre später, diskutieren die Theologen in Deutschland noch immer. So auch bei der ökumenischen Studientagung "Heillos gespalten? Segensreich erneuert?", die an diesem Wochenende in der Katholischen Akademie in München stattfand. (…) Wie sieht es 500 Jahre nach den umwälzenden Impulsen Luthers mit dem Thema Kirchenreform aus? Ausgerechnet auf evangelischer Seite herrscht Zurückhaltung. "Die Reformdiskussion innerhalb der evangelischen Kirche ist etwas müde geworden – der Höhepunkt ist überschritten", erklärte Dr. Johann Schneider, Regionalbischof für den Propstsprengel Halle-Wittenberg. In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sieht er neben einer Finanzkrise vor allem eine Akzeptanz- und Überzeugungskrise. Die Reformer wollten diesen Problemen mit Aktionismus begegnen. "Dagegen sträubt sich mein theologisches Herz", so Schneider. Auch der katholische Dogmatiker Bertram Stubenrauch warnte vor einem rein äußerlichen Engagement der Gläubigen, das dann auch zu einer verzerrten Außenwahrnehmung führe. "Viele sehen nicht mehr, dass Kirche mit Gott zu tun hat und suchen ihn daher außerhalb von ihr, ohne sie oder konträr zu ihr", beschrieb er die Situation in der Gesellschaft. Daher brauche es die Umkehrbereitschaft jedes Einzelnen. "Die Diskrepanz zwischen dem persönlichen geistlichen Leben und dem äußerlichen Engagement ruft nach Reform", sagte Stubenrauch. Wahre Reform bestehe darin, daran zu arbeiten, dass die institutionelle Seite der Kirche transparent für Gott bleibe. Damit das gelingen könne, verwies er auf den ökumenischen Dialog. "Wäre es nicht denkbar, von protestantischen Gläubigen mehr über die Heilige Schrift, von Orthodoxen mehr über Tradition, von Katholiken mehr über die Rolle des Lehramts zu erfahren?", fragte der Theologe. Theresia Lipp

Münchner Kirchenzeitung
3. Mai 2015 – Die feierliche Erinnerung an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren sollte 2017 keine Angelegenheit nur der Lutheraner oder der Evangelischen, auch nicht der Christen für sich allein oder gar der Deutschen sein. Auf dieses Fazit lässt sich eine multilaterale ökumenische Fachtagung bringen, die in München unter Beteiligung katholischer, evangelischer, freikirchlicher und orthodoxer Theologen in der Katholischen Akademie in Bayern stattfand. (…) Der katholische Bochumer Neutestamentlicher Thomas Söding, der als einer der DÖSTA-Vorstände die Tagung maßgeblich konzipiert hatte, zeigte sich am Ende zufrieden. Es sei deutlich geworden, dass das Reformationsjahr „keinen Grund für Jubelarien“ biete. (…) Die baptistische Kirchenhistorikerin Andrea Strübind (Universität Oldenburg) machte einen Einspruch gegen das mit den „Reformationslegenden“ verbundene „Pathos der Freiheit“ geltend. Zum Gedenken müsse auch gehören, dass die Reformation Kriege, Massenhinrichtungen und Zwangsmigration nach sich gezogen habe. (…) Der Münchner orthodoxe Theologe Athanasius Vletsis sagte, zu einem „Jubiläum“ müsse es auch „Geschenke“ geben. Dabei schlug er vor, 2017 dafür zu nutzen, gegenseitige Exkommunikationen und Lehrverurteilungen zurückzunehmen. Christoph Renzikowski

Christ in der Gegenwart
Nr. 18/2015 – „Heillos gespalten? Segensreich erneuert?“ Drei Tage lang haben in der Katholischen Akademie in Kooperation mit der Tutzinger Evangelischen Akademie Theologen des Deutschen Ökumenischen Studienausschusses, der örtlichen Fakultäten sowie Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen den Stand der ökumenischen Dinge beraten und den Ertrag der Reformation gesichert. (…) Dabei sind es die „Säkularisierungserfolge, die die Kirchen zur Zusammenarbeit zwingen.“ Dessen ist sich der evangelische Theologe Reiner Anselm von der Ludwig-Maximilians-Universität sicher. Bei der Schwabinger Versammlung mahnte er mehr ökumenisches Bemühen bereits bei den ethischen Tagesdebatten an, wenn auch die konfessionellen Unterschiede etwa in biomedizinischen Fragen eine große Bandbreite spiegeln. (…) Dabei hätte die Ausbreitung der Reformation nicht automatisch in eine Kirchenspaltung münden müssen, wie der Kirchenhistoriker Franz-Xaver Bischof ausführte. Erst in dem Maße, in dem sich die Konflikte zwischen reformatorischem Anspruch und einer quasi-göttlichen Entscheidungsvollmacht des Papstes verschärften, lief der Erneuerungsprozess auf den Bruch hinaus. (…) Für eine wahrhaft theologische Vertiefung und Weiterentwicklung zu mehr Einheit hin plädierte der lutherische Landesbischof von Schaumburg-Lippe, Karl-Hinrich Manzke, Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands. Allerdings muss nach seiner Auffassung nicht die „volle dogmatische Übereinstimmung“ erreicht sein, „um erste Schritte zur vollen Gemeinschaft zu unternehmen“. Johannes Röser

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