Presseschau

27. Oktober 2016

Glaube und Atheismus

Die Tagespost

27. Oktober 2016 – In der Auseinandersetzung zwischen Glauben und Atheismus geht es ums Ganze. So auch im Podiumsgespräch zu „Glaube und Atheismus“ zwischen dem Ordenspriester der Benediktinerabtei Münsterschwarzach, Anselm Grün OSB, dem Professor für Soziologie an der Karlsuniversität Prag und Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie, Tomáš Halík sowie dem freiberuflichen Philosophen Joachim Kahl, in der katholischen Akademie in München. (…)
Der Unglaube sei eine Herausforderung, den Glauben in eine Form zu bringen, der „Unglaube macht mich toleranter“, sagte Grün. Ganz anders wurde Joachim Kahl durch sein Studium der evangelischen Theologie zum Atheisten. Er sei zu der Erkenntnis gekommen, dass das Christentum „bodenlos, gehaltlos, substanzlos“ ist, ohne dass er jemals Konflikte mit der Kirche gehabt habe, sondern es sei eine Einsicht gewesen, die sich seit dem Doktordiplom nicht mehr verändert habe. Für den tschechischen Theologen Halík war der kommunistische Atheismus in seinem Lang prägend, und so erklärte er versöhnend: „Ich bin überzeugt, dass in jedem Gläubigen ein Atheist steckt und in jedem Ungläubigen ein Gläubiger.“ Alexander Riebel


Münchner Kirchenzeitung

30. Oktober 2016 – „Mir ist nicht wichtig, ob jemand das Glaubensbekenntnis runtersagen kann.“ Mit diesem Statement überraschte der Münsterschwarzacher Benediktinermönch Anselm Grün (71) seine Zuhörer in der bis auf den letzten Platz besetzten Katholischen Akademie bei einem Abend zum Thema „Glaube und Atheismus“. Wichtig sei vielmehr, so der derzeit bedeutendste Autor spiritueller Bücher, dass jemand offen sei für das Geheimnis Gott. Diese Gelegenheit zur Gegenrede ließ sich Joachim Kahl (75) nicht entgehen. Sein Part als Atheist war es, die Position der Ungläubigen zu vertreten. Wer davon spreche, dass Gott sich allen Menschen geoffenbart habe, der könne nicht zugleich diesen Gott als unaussprechliches Geheimnis bezeichnen. Georg Walser


Katholisch.de

04. November 2016 – Der eine ist durch sein Theologiestudium zum Atheisten geworden. Der andere fand über die Philosophie zur Religion. Und der dritte, ein bekannter Ordensmann, hat regelmäßig Glaubenszweifel. Beginnen wir mit Letzterem: Anselm Grün, Benediktinerpater und Bestsellerautor aus Münsterschwarzach, gibt offen zu: „Ich kenne in mir Glaube und Unglaube. Der Unglaube macht mich toleranter, weil ich dann auch den anderen verstehen kann.“ Das mag manchen überraschen. Muss ein katholischer Ordensmann, noch dazu einer, der mit seinen religiösen Büchern eine Millionenauflage erreicht, nicht überzeugt sein vom Glauben – und andere überzeugen?
Beide Positionen – Glaube und Atheismus – in sich zu haben, sei ein Vorteil, meint Grün: „So kann ich natürlich auch den Ungläubigen in Frage stellen, ob das alles ist oder er nicht auch eine Ahnung von Glauben hat.“ Grün hat gemeinsam mit dem tschechischen Theologen und Soziologieprofessor Tomas Halík ein neues Buch herausgebracht, das er in er Katholischen Akademie Bayern in München vorstellt. Burkhard Schäfers


KNA

25. Oktober 2016 – „Das Christentum ist bodenlos, substanzlos, gehaltlos.“ Diese Erkenntnis sei ihm gereift, je länger er in den „Eingeweiden des Christentums“ geforscht habe, sagt Joachim Kahl. Direkt nach seiner Promotion in evangelischer Theologie ist Kahl aus der Kirche ausgetreten. Am Montagabend sitzt er in der Katholischen Akademie in Bayern in München, um über Gott zu sprechen, als Gegenpart zu Benediktinerpater Anselm Grün und dem tschechischen Priester Tomas Halík, „zwei Großkaliber spiritueller und theologischer Literatur“, wie Akademiedirektor Florian Schuller sie nennt.


Deutschlandfunk

3. November 2016 – Die Welt erlebt eine Wiederkehr der Religion, sie kommt in der Gestalt des Islams ins säkularisierte Europa zurück – sagt der tschechische Soziologe und Religionsphilosoph Tomáš Halík. (…) Der Marburger Philosoph Joachim Kahl sieht keinen Wert in der Aussage, die Religion kehre zurück ins säkularisierte Europa. Für ihn heißt die entscheidendere Frage: Welche Form von Religion kehrt zurück? (…)
In München in der Katholischen Akademie Bayern diskutieren Joachim Kahl und Tomáš Halík auch über die Frage religiöser Indifferenz. Für den Atheisten steht die Frage nach Gott naturgemäß nicht im Vordergrund. Ethik sei viel älter als Religion, so Kahl. Verbindende humanistische Werte entstünden im Zusammenleben der Menschen. Halík hingegen hält es durchaus für notwendig, dass die Menschen sich religiöse Fragen stellen. Er kritisiert den verbreiteten – wie er es nennt – „Apatheismus“. Burkhard Schäfers

 

zurück