Presseschau

18. Februar 2015

Georg Thumbach. So weit das Auge reicht

Landshuter Zeitung

18. Februar 2015 – Georg Thumbach stellt im Forst seine mannshohen, festen Bildtafeln auf und bannt in geradezu rasender Geschwindigkeit mit Holzkohle seine zuvor exakt ausgesuchten Motive darauf. Etwa 15 seiner Riesenformate – darunter Atelier-Werke auf Spanplatten – sind derzeit unter dem Titel „So weit das Auge reicht“ im Vortragssaal und im Foyer der Katholischen Akademie in München zu sehen. (…) Für den Akt des Zeichnens im Unterholz und die gewünschte Tiefenschärfe der Komposition ist eine bestimmte Richtung der Sonneneinstrahlung unabdingbare Voraussetzung. (…) Meistens hat er für die Herstellung solcher spontanen Zeichnungen nur zwei hochkonzentrierte Stunden Zeit. Jeder Strich muss sitzen. Geradezu altmeisterlich anmutende handwerkliche Fertigkeit ist da gefragt. Joachim Goetz


und – Das Münchner Kunstjournal
Ausgabe Februar 2015 – Dass der Förstersohn Georg Thumbach den Wald als seinen Kunst-Raum entdeckte, ist kaum überraschend. Nach der Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste bei den Professoren Fridhelm Klein und Ben Willikens widmete er sich fast ausschließlich dem Genre der Zeichnung, in der er den Gesetzmäßigkeiten und Sinneserfahrungen der „Waldstücke“ (so der Titel einer Ausstellung im Jahr 2009) nachspürte.
Es ist aber nicht der von Romantik belastete deutsche Wald oder die aktuelle Schwundstufe grüner Monokultur. Vielmehr geht es ihm um ein Abbild des wuchernden Wirrwarrs in der Natur, das dem Auge keinen Haltepunkt im andrängenden Chaos bietet. (…) Erhellend ist da vielleicht eine Äußerung des Künstlers: „Chaos oder Ordnung? Ich tendiere zu beidem: Chaos ist mir immer willkommen. Aber Chaos allein kann es meiner Meinung nach nicht geben.“
Ruprecht Volz

Münchner Abendzeitung

18. Februar 2015 – Holzhaltige Werke von Georg Thumbach in der Katholischen Akademie in der Mandlstraße. (…) Auf den ersten Blick wirken die von dunklen dichten Liniengeweben geprägten Kreationen einander ähnlich und sehr grafisch. Aber jedes Werk ist einzigartig. Denn Thumbach (…) sucht nach dem speziellen Ort im Wald bis er einen „Lustimpuls“ verspürt. Die Wahl des Motivs – etwa vom Blitz gefällter junger oder durch Altersschwäche gebrochener alter Baum, wildes Dickicht oder geordneter Kulturforst – spielt eine große Rolle. Markantes Charakteristikum jeder Zeichnung ist der intensive Blick in die Tiefe des Waldes. Aus der Ferne betrachtet, staffelt sich das Bild zu einem räumlichen Erlebnis. Aus der Nähe überwiegt der plakative Eindruck eines ungegenständlichen Chaos von unterschiedlichen, kraftvoll gezeichneten Strichen. Auf die Spitze treibt Thumbach dieses Spiel aus Nah- und Fernsicht mit scherenschnittartigen Aussägearbeiten, in denen die unbehandelte Grobspanplatte wie eine Art Paravent erscheint – mit Abstand zur Wand und Durchblick auf das Dahinter. (…)
Den diversen Bedeutungsebenen und Symbolgehalten – Zauberwald, sterbender Wald, Waldverklärung der deutschen Romantik, national besetzter „Deutscher Wald“ – schenkt Thumbach in den zweidimensionalen Werken nur bedingt Aufmerksamkeit. Sie firmieren „ohne Titel“, sind – in freilich künstlerischer Freiheit – nüchterne Bestandsaufnahmen und schärfen unsere Sicht. Joachim Goetz

Münchner Feuilleton
Ausgabe März 2015 – Seine. Bilder entstehen aus der unmittelbaren Beobachtung der Natur. Seit vielen Jahren widmet er sich dem Wald, weniger als Idylle, denn als ortsunabhängiges, nüchtern und objektiv zu betrachtendes Phänomen. Es ist die exakte Beobachtung, um nicht zu sagen die unmittelbare Anschauung, die den Künstler trotz des immer gleichen Motivs zu sehr differenzierten Varianten führt. Mal fokussiert er den Waldboden mit seinem undurchdringlichen Gespinst aus pflanzlichen Elementen, die in der Serie der erdfarbenen Mischtechniken ein dichtes Linienwerk bilden. Ein anderes Mal weitet er seinen Blick auf Lichtungen mit Baumstämmen und blattlosem Geäst, etwa wie in der Reihe der Kohlezeichnungen. Immer jedoch bleiben die Ansichten horizontlos und menschenleer und zeigen Ausschnitte, die sich über den Bildrand weiterdenken lassen. Das Chaos der Äste findet im Format des Bildträgers seine Begrenzung. Dass sich dennoch das Gefühl von Entgrenzung einstellt, liegt an der Dichte und Undurchsichtigkeit der Strukturen. Es ist genau diese Ambivalenz, die den Reiz der Arbeiten Thumbachs ausmacht: Chaos und Ordnung, Mikrokosmos und Makrokosmos, Unruhe und Stille, Fläche und Tiefe – alles fügt sich in ausgewogener, harmonischer Allianz. Erika Wacker-Babnik

 

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