Presseschau

08. Dezember 2015

Flucht in, durch und aus Afrika

Katholische Nachrichten-Agentur
4. Dezember 2015 – „Flucht in, durch und aus Afrika“: Zu dieser Veranstaltung hatte die Katholische Akademie in Bayern mit dem Internationalen katholischen Missionswerk missio München geladen. (…) Allein im Norden Kenias leben im Lager Kakuma 200.000 Flüchtlinge, berichtete der äthiopische Jesuit Endashaw Debrework. Seit 20 Jahren gibt es die Einrichtung. Anfangs kamen die Menschen aus Äthiopien, dann aus dem Südsudan. Seit 2011 ist letzterer ein unabhängiges Land, nach mehr als 22 Jahren Krieg blieb Frieden ein frommer Wunsch. „Es geht immer nur um Macht“, kritisierte Debrework die Regierung. „Jeder möchte alles für sich haben. Die wollen nicht die Interessen der Leute vertreten, sondern nur ihre eigenen.“
Längst ist das Camp zu einer Art eigenem Staat mitten im Slumgebiet geworden. Neben der Versorgung setzen die Jesuiten vor allem auf Bildung. Kindergärten, Grund- und weiterführende Schulen wurden geschaffen und auch Möglichkeiten der Berufsausbildung. In den sieben Ländern, wo der Jesuiten-Flüchtlingsdienst tätig ist, werden auch Lehrer aus den Reihen der Flüchtlinge ausgebildet. „Wir haben es mit politisch, gesellschaftlich und spirituell verletzten Menschen zu tun“, erläuterte der Pater. Ihnen müsse ihre Würde wiedergegeben und Hoffnung vermittelt werden.
Der Menschenrechtsaktivist und Journalist Rupert Neudeck, selbst seit Jahren mit seiner Hilfsorganisation „Grünhelme“ in Afrika aktiv, weiß um die Gegebenheiten. Für die Projekte der katholischen, aber auch evangelischen und anglikanischen Kirche ist er voll des Lobes. „Manchmal ist die katholische Kirche besser als ihr Ruf“, sagte der Katholik. Wahrscheinlich sei er, obwohl oft enttäuscht, wohl noch deshalb in der Kirche, weil er deren Wirken in Afrika erlebt habe. (…)
Mit Neudeck ist Debrework überzeugt, die staatliche Entwicklungshilfe habe Afrika zerstört. Das Geld sei nur den Herrschenden zugutegekommen, um deren Macht zu festigen. Statt Entwicklungshilfe zu zahlen, brauche es echte Partnerschaften. Neudeck plädierte dafür, jedes EU-Land solle eine Beziehung zu einem afrikanischen Staat aufbauen. Eine gemeinsame Kabinettssitzung beider Regierungen einmal im Jahr wäre denkbar. Barbara Just

Donaukurier

05./06. Dezember 2015 – Rupert Neudeck ist ein Freund klarer Worte. Kampferprobt in Jahrzehnten der Flüchtlingshilfe nimmt der streitbare Menschenrechtsaktivist auch bei einer Tagung von Katholischer Akademie und Missio in München zum Thema Flucht in, durch und aus Afrika kein Blatt vor den Mund: „Wir Europäer unternehmen Riesenanstrengungen, um den Flüchtlingen zu helfen, und die afrikanischen Regierungen nehmen das gar nicht wahr. Dabei ist es ihre Jugend, die das Land verlässt.“ (…) Im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert Neudeck dann auch seine Sicht auf die Flüchtlingsproblematik. (…)
Was können die reichen Staaten angesichts der Krise tun? Und halten Sie eine Quotenregelung für sinnvoll?
Die Quotenregelung kann man für sinnvoll halten, aber es wird sie nicht geben. Die größte Sorge, die wir alle haben, ist, dass Europa zusammenbricht. Es ist ja schon fast eine Wut in uns Bürgern entstanden, wenn wir hören, dass die Slowakei etwa vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof dagegen klagt, dass sie 800 Flüchtlinge aufnehmen soll. Da weiß ich dann nicht, was so ein Staat in Europa, in dem Europa, in dem ich gerne lebe, zu suchen hat. (…)
Und Afrika?
Das Problem mit den Flüchtlingen in Afrika zu lösen ist noch schwieriger, weil wir uns zuvor darum nie gekümmert haben. Afrika schickt Millionen von jungen Leuten, die hier unterkommen sollen. Das sind meistens keine Verfolgten. Wahrscheinlich sind es die Besten der Besten in Afrika, die hier eine Ausbildung haben wollen. Wir müssten also in Ausbildung investieren und zwar in den Ländern, in denen die Menschen jetzt sind. Bevor sie den mörderischen Versuch machen, über das Mittelmeer zu kommen. Interview Angela Wermter

 

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