Presseschau

14. Februar 2014

Ein Jahr Pontifikat Papst Franziskus

Kardinal Walter Kasper (links) neben Akademiedirektor Dr. Florian Schuller beim Pressegespräch.
In einem ausführlichen Pressegespräch am 13. Februar 2014 legte Kardinal Walter Kasper (li.), der langjährige "Ökumeneminister" des Vatikan, hier neben Akademiedirektor Dr. Florian Schuller, seine Wünsche und Erwartungen an die Zukunft der Ökumene

Katholische Nachrichten-Agentur

14. Februar 2014 – Kardinal Walter Kasper sieht im Pontifikat von Papst Franziskus neue Chancen für die Ökumene und den interreligiösen Dialog. Als Erzbischof von Buenos Aires habe dieser in Argentinien seine eigenen Erfahrungen mit orthodoxen Christen, Pfingstkirchen und dem Judentum gemacht, sagte Kasper am Donnerstag vor Journalisten in München. So habe Jorge Mario Bergoglio den Begriff der „versöhnten Verschiedenheit“, der in Europa im Dialog zwischen katholischen und evangelischen Christen üblich geworden sei, in einem Dialog-Buch mit einem befreundeten Rabbiner verwendet. Barbara Just

 

14. Februar 2014 – Kurienkardinal Walter Kasper hat dafür plädiert, dass die katholische Kirche im Einzelfall wiederverheirateten Geschiedenen einen Neuanfang ermöglichen solle. Grundsätzlich gelte es zwar, am katholischen Verständnis von Ehe und Familie festzuhalten. Aber für die Betroffenen müsse ein Weg „zwischen Rigorismus und Laxismus“ gefunden werden, sagte Kasper am Donnerstag vor Journalisten in München. Der Papst sehe dieses Problem durchaus.

 

Münchner Merkur

17. Februar 2014 – Die Rückbesinnung auf das Evangelium mache auch institutionelle Reformen notwendig. „Wenn man nach Rom kommt, wo lange alle Fenster und Türen geschlossen waren, da stinkt’s gewaltig“, soll Franziskus nach Kaspers Worten gesagt haben. Und so habe er schon viele Änderungen in die Wege geleitet. Manche meinten, dem Papst werde schon bald die Puste ausgehen und der kuriale Apparat werde ihn schon bald ausbremsen: „Wer so denkt unterschätzt Franziskus und überschätzt die restaurativen Kräfte in der Kurie“, sagte Kasper, der den Vatikan aus eigener Anschauung bestens kennt und daher ergänzt: „Im Übrigen darf man sich von der Kurie keine abenteuerlichen Vorstellungen machen, als ob es da nur sex and crime gebe.“ Die große Zahl der Mitarbeiter wolle der Kirche und dem Papst aufrichtig dienen – manche warteten erst einmal ab, andere passten sich schnell an. Claudia Möllers

 

Rheinische Post

17. Februar 2014 – Walter Kasper, der sein weltweit beachtetes, in mehrere Sprachen übersetztes Buch „Barmherzigkeit“ dem späteren Papst während des März-Konklaves 2013 zum Lesen gegeben hatte, erzählte von römischen Pfarreien, die seit der Wahl von Franziskus einen deutlichen Wiederanstieg beim Sakrament der Beichte verzeichneten. Außerdem hätten sich die Gottesdienstbesucher bei Papstmessen sowie die Teilnehmerzahlen an den Mittwochsaudienzen oder dem sonntäglichen Angelusgebet auf dem Petersplatz seit einem Jahr fast verdreifacht.

Während für Kasper der positive Stimmungsumschwung schon jetzt spürbar ist, ist nach seiner Einschätzung die angestrebte Kurienreform eine Sache von mindestens drei Jahren. Ein Zentrum zu haben sei für die katholische Kirche zwar ein Geschenk, aber, so Kasper, Zentrum heißt nicht Zentralismus. Der sei von Übel, wenn er meine, alles in der Weltkirche müsse von Rom aus dirigiert werden. Reinhold Michels

 

Die Tagespost

18. Februar 2014 – „Papst Franziskus ist im ursprünglichen (nicht im konfessionellen) Sinn des Wortes ein evangelischer Papst“, hob Kardinal Walter Kasper hervor. Nicht umsonst trage das Apostolische Schreiben, in dem er sein Programm vorlegt, den Titel „Evangelii gaudium“ – die Freude des Evangeliums. „Er will zurück zur apostolischen Einfachheit und Schlichtheit.“ Schon Benedikt XVI. habe auf seinem Deutschlandbesuch mit dem Stichwort „Entweltlichung“ in diese Richtung gewiesen. „Das wurde weder in Deutschland und noch weniger im Vatikan aufgegriffen. Jetzt macht Franziskus deutlich, worum es geht.“ Reinhard Nixdorf

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