Presseschau

15. Dezember 2015

Das Konzil - ein neuer Beginn

Radio Vatican online
08.12.2015 – 50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) sprechen sich internationale Theologen für grundlegende Veränderungen in der katholischen Kirche aus. Die Kurienreform im Vatikan müsse zu einer Reform der Gesamtkirche und des kirchlichen Amtes ausgeweitet werden, heißt es in einem am Dienstag in München in der Katholischen Akademie Bayern vorgestellten Papier. Darin plädieren die Wissenschaftler auch dafür, die Laien in der Kirche mehr zu beteiligen und synodale Strukturen zu stärken. (…)
Die Erklärung wurde vom Veranstalter der Tagung, dem Eichstätter Fundamentaltheologen Christoph Böttigheimer, vorgestellt. An dem Kongress „Das Konzil eröffnen – Theologie und Kirche unter dem Anspruch des Zweiten Vatikanischen Konzils“ nahmen den Angaben zufolge rund 200 Theologen aus aller Welt teil. Gudrun Sailer

KNA
08.12.2015 – Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat die Weichenstellungen von Papst Franziskus für die katholische Kirche gewürdigt. Der Papst habe der Bischofssynode „viel Ansehen und vor allem Freiheit zurückgegeben“, sagte Lehmann am Montagabend in der Katholischen Akademie Bayern in München. Dies gelte aber nicht nur für die Bischofssynode, sondern „besonders auch für die Beteiligung von Laien an den kirchlichen Beratungen für die Zukunft des Glaubens“. Diese „Synodalität“ sie ihm persönlich wichtiger als ein mögliches Drittes Vatikanisches Konzil. (…)
Lehmann äußerte sich bei einer Veranstaltung eines internationalen Theologenkongresses zur Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), das am 8. Dezember vor 50 Jahren endete. (…) An dem dreitägigen Kongress unter dem Motto „Das Konzil eröffnen – Theologie und Kirche unter dem Anspruch des Zweiten Vatikanischen Konzils“ nahmen nach Veranstalterangaben 200 Forscher aus aller Welt teil. Zum Abschluss feiern die Teilnehmer an diesem Dienstag ein Pontifikalamt im Münchner Liebfrauendom mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Danach soll eine Erklärung zur Gegenwartsbedeutung des Konzils veröffentlicht werden.

Focus online/dpa
08.12.2015 – 50 Jahre nach Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils haben Kardinal Karl Lehmann und rund 200 andere katholische Theologen innerkirchliche Reformen gefordert. Menschenrechte müssten auch in der Kirche umgesetzt werden, mahnten die Teilnehmer einer Tagung in der Katholischen Akademie in München. Sie appellierten an die Verantwortlichen in der Kirche, die Bedeutung der wissenschaftlichen Theologie anzuerkennen. Unter Berufung auf Papst Franziskus verlangten sie mehr synodale Mitbestimmung der Ortskirchen. Die dringend erforderliche Reform der römischen Kurie müsse zu einer Reform der Gesamtkirche führen. (…)
Der heutige Mainzer Kardinal Karl Lehmann hatte das Konzil als Mitarbeiter des Theologen Karl Rahner (1904-1984) in Rom erlebt. Jetzt forderte er in München: „Die Kirche – und die sind wir alle – darf viel weniger um sich selber kreisen, sondern sie muss sich immer in allem auf Gott und die Menschen hin übersteigen.“

Mainzer Bistumsnachrichten MBN
09.12.2015 – Seit dem Abschluss des Konzils hätten die Konzilsbeschlüsse „ungeheuer viel ausgelöst“, sagte Kardinal Karl Lehmann in der Katholischen Akademie in München. „Ich nenne nur einige Stichworte: die Umwandlung des Katholizismus im mittel- und südamerikanischen Halbkontinent mit den großen Versammlungen der Bischöfe ab Medellin (1968), die unzähligen ökumenischen Dokumente im bilateralen und multilateralen Austausch mit vielen Kirchen, die Dialoge mit dem Judentum und den nichtchristlichen Religionen. Dienst und Dialog betrachte ich als die zentralen Achsen des konziliaren Prozesses und nachkonziliaren Lebens.“
Oft werde er gefragt, ob ein Drittes Vatikanisches Konzil nötig sei, berichtete Lehmann (…). Seine Antwort: „Ich weiß es nicht. Ich bin aber zunächst skeptisch, denn an der Verwirklichung des Zweiten Vatikanischen Konzils haben wir noch genug zu tun, und zwar wenn wir an Buschstaben und Geist dieses Konzils denken. Ich schaue aber auch auf ein anderes Element: Der weitsichtige, kluge Papst Paul VI., dem wir einen großen Reformernst besonders nach der Konzilszeit zubilligen müssen, hat noch während des Konzils (15. September 1965) das Instrument der Bischofssynode verbindlich gemacht. Sie sucht immer noch nach ihrer günstigen Verwirklichung, wenngleich sie viele Formen entwickelt hat. Aber noch wichtiger ist das, was Papst Franziskus in dieser denkwürdigen Erinnerung an die Einführung vor 50 Jahren am 17. Oktober 2015 gesagt hat, dass nämlich die Kirche von Grund auf ‚synodal‘ ist. Er hat der Synode viel Ansehen und vor allem Freiheit zurückgegeben. Dies gilt nicht nur für die Bischofssynode, sondern besonders auch für die Beteiligung von Laien an den kirchlichen Beratungen für die Zukunft des Glaubens. Diese Entfaltung eines echten synodalen Elementes, das ich selbst bei der Gemeinsamen Synode der Bistümer der Diözesen in der Bundesrepublik Deutschland (1971 bis 1975) erfahren habe, ist mir wichtiger als ein vor diesem Hintergrund dann vielleicht einmal wichtiger werdendes Drittes Vatikanisches Konzil.“ tob (MBN)

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