Presseschau

13. Juni 2015

Buddhismus und Christentum - Das Böse

Die Tagespost

13. Juni 2015 – Die Religion bestimmt das Menschenbild. Diese Selbstverständlichkeit wird dann dramatisch, wenn es zu Deformationen kommt. Der Buddhismus ist dafür ein Beispiel, wie bei der Abendveranstaltung „Die Frage nach dem Bösen in Buddhismus und Christentum“ am Dienstag in der Katholischen Akademie in München deutlich wurde. Denn für den Vertreter des buddhistischen Parts, Karl-Heinz Brodbeck, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt sowie seit 2003 Vorsitzender des Kuratoriums der Fairness-Stiftung Frankfurt und seit 2007 Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Tibethauses (Frankfurt), hat der Mensch keinerlei Identität. Das Ich ändere sich in jedem Augenblick und wenn das Ich sterbe, dann sterbe auch die Zeit. (…)
Die Auffassung vom identitätslosen Ich konnte natürlich nicht unwidersprochen bleiben und der Professor für Systematische Theologie an der Universität Duisburg-Essen, Ralf Miggelbrink, (…) konnte zum Beispiel zeigen, dass sich das Ich am Du bildet, dem es sich zuwendet und dass es vor sich bestehen muss, wenn es etwas Böses getan hat. (…) Miggelbrink machte deutlich, dass das Problem des Erkennens des Bösen keineswegs nur eine Eigenart des Buddhismus sei. Die Frucht, die ethische Pflicht nicht zu erkennen, habe bereits seit dem Hochmittelalter Spuren zurückgelassen. Das Böse hat demnach auch den Aspekt, vor anderen nicht versagen zu wollen und gründe letztlich in der Angst, den Bund mit Gott zu zerstören. Alexander Riebel


Deutschlandfunk

25. Juni 2015 – Während das Christentum einen Dualismus von Gut und Böse kennt, aus dem letztlich nur ein überirdischer Erlöser erretten kann, gibt es eine solche Vorstellung im Buddhismus nicht. Hier kann der Mensch in seinem Ich-Wahn sich selbst durch Achtsamkeit im Kreislauf von Scheitern und Gelingen weiter entwickeln.
Wenn ein gehörntes Wesen auftritt und es nach Schwefel riecht, wissen Buddhisten: Mit meiner Religion hat das nichts zu tun. Der Buddhismus kennt den Begriff des Bösen nicht, erklärt der Philosoph Karl-Heinz Brodbeck: (…) „Ich-Wahn, Gier und Hass sind die drei Geistesgifte. Ihnen zu verfallen, das könnte man das Böse nennen. Auf sie zu achten und ihnen die Kraft zu nehmen, schrittweise, das ist das Gute. So einfach könnte man die buddhistische Lehre im Hinblick auf Gut und Böse zusammenfassen.“ Das Böse existiert im Buddhismus folglich nur in bestimmten Situationen und Kontexten. Der Mensch hat es selbst in der Hand, dem entgegenzuwirken. (…)
Anders im Christentum: Dort existiert ein starker Dualismus zwischen Gut und Böse, Schuld, Sünde, Hölle – diese und andere Begriffe tragen dazu bei, dass das Böse theologisch besonders entfaltet ist. Zwar gibt es nach christlichem Verständnis einen starken Pol: Die Erde als Gottes gute Schöpfung. Das aber sei nur die eine Seite der Medaille, sagt Ralf Middelbrink, Professor für Systematische Theologie an der Universität Duisburg-Essen. „Die andere Seite ist, dass es in der Schöpfung eine starke Kraft gibt, die dem Guten widerstrebt, den Menschen zum Bösen verleitet, die Menschen machtvoll zum Bösen hinzieht.“
Mitschnitt des Beitrags von Burkhard Schäfers

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