Presseschau

18. März 2011

Bob Dylan

Frankfurter Allgemeine Zeitung

21. März 2011 - In München pirschte man sich an die Trias "Songpoet, Idol, Prophet" heran, wobei niemand darauf einging, dass Dylan selbst immer nur die erste Zuschreibung akzeptiert hat. Sehr wesentlich kreiste das Kolloquium um zwei Epochen: zum einen um das eine gute Jahr 1965/66. als Dylan in einem bis heute unbegreiflichen produktiven Schub drei Platten herausbrachte, welche die Rockmusik in eine andere Umlaufbahn geschossen haben; zum anderen um die immer noch unterschätzte Gospelphase um 1980, in der die Konversion des Juden zu den wiedergeborenen Christen verarbeitet wurde. Dass in den Vorträgen die religiösen Ober- Zwischen- und Untertöne überwogen, mag dem genius loci (der Katholischen Akademie) zu verdanken gewesen sein, kann aber auch reiner Zufall sein. So wurde Dylan unter den Aspekten seiner Literazität und Spiritualität doppelt in die Zange genommen, mit Ergebnissen, die sich zwar widersprachen, aber damit auch Dylans enorme Ausdeutbarkeit absteckten. Edo Reents

 

Katholische Nachrichtenagentur

22. März 2011 - Knut Wenzel sieht in Dylan ein "autonomes Glaubenssubjekt", das sich keiner Religionsautorität unterwerfen wolle. Seine Musik nutzt er zum politischen Protest in der Bürgerbewegung und gegen den Krieg. Als Kinder seiner Zeit probiert er alles aus und entdeckt dabei auch das Christentum für sich. Ein Erweckungserlebnis? Da winkt der Theologe ab. Die Phase der Christlichkeit bei Dylan sei eine von vielen Maskierungen gewesen. Der Oscarpreisträger sei zudem Star, Familienmensch, Streuner, Revoluzzer, Polit-Aktivist, Prediger und Pilger. "Doch diese Masken hat er nicht zum Spaß aufgesetzt und keine von ihnen hat er abgelegt. Eine echte Identitätssuche steckt dahinter", erläuterte Wenzel das Phänomen. Andreas Windpassinger

Süddeutsche Zeitung

18. März 2011 - Das Bild von Bob Dylan ist inzwischen ikonengroß und sein Werk so vielfältig, dass der Künstler als reale Persönlichkeit kaum noch greifbar ist. So skizziert auch die Tagung den 69-Jährigen als schillerndes Universalgenie - Dylan, der Poet, der Musiker, der Maler, der Spirituelle. Der Mainzer Literaturwissenschaftler Dieter Lamping untersucht etwa Dylans Bedeutung für die moderne Lyrik. Der Theologe Knut Wenzel referiert über Dylan und die Religionen. Der Journalist Karl Bruckmaier analysiert Dylans Kunst der Selbsterfindung. Nadia Pantel

Die Tagespost

24. März 2011 - Die Katholische Akademie Bayern hat sich dem wohl meist kontrovers diskutierten Thema Bob Dylan zugewandt: "Bob Dylan und die Religion". Knut Wenzel, Professor für Fundamentaltheologie und Dogmatik an der Uni Frankfurt, referierte. Dylan, ein Religiöser? Jener, der in den 1960er Jahren gegen eine verkrustete, autoritär-konservative Gesellschaft aufbegehrt und singt, er finde Religion und Mystik in der Musik?

Immerhin: Viele seiner Songs kleidet er in biblische Worte. 1997 trat der Liedermacher, Gitarrist und Sänger auf Einladung von Papst Johannes Paul II. beim Eucharistischen Kongress in Bologna auf. 2009 kam eine CD mit christlichen Weihnachtsliedern heraus. Sein Statement dazu: "Ich bin wirklich gläubig." Viele zweifeln daran. Dorothea Schmidt

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