Presseschau

02. April 2012

Biblische Tage: Der historische Jesus

Salzburger Nachrichten

6. April 2012 – „Das Handeln und die Verkündigung Jesu hatten eine politische Qualität, die nicht im Streben nach Macht, sondern in der Aufwertung der Nichtelite und in der Delegitimierung der herrschenden Elite bestand.“ Auf diesen Punkt brachte Lukas Bormann, Bibelwissenschaftler an der Universität Erlangen-Tübingen, die umstrittene Frage nach den treibenden Kräften hinter dem Prozess Jesu.

Bei einer dreitägigen Studientagung der Katholischen Akademie in Bayern herrschte unter den Experten weitgehende Einigkeit über das revolutionäre und daher für die religiösen und politischen Eliten gefährliche Auftreten Jesu. (…) „Aus Sicht der judäischen Elite wird Jesus von Nazareth zu einer möglichen Konkurrenz“, sagte Bormann in München. Aus römischer Perspektive sei sein Programm schlichtweg aufrührerisch gewesen: Es kann neben dem römischen Kaiser keinen „König der Juden“ geben. Josef Bruckmoser

 

Publik-Forum

Nr. 9/2012 – Sie wundern sich, die Bibelforscher. „Dass sehr bald schon nach dem Tod Jesu die Mythenbildung über ihn einsetzte, irritiert uns Exegeten“, stellt Gerd Theißen fest, emeritierter Professor für Neues Testament an der Universität Heidelberg. (…) Was ist das passiert, fragen sich die Exegeten – und nicht nur sie. Auf einer dreitägigen Tagung, veranstaltet von der Katholischen Akademie in Bayern in München, bilanzierten kürzlich renommierte evangelische und katholische Neutestmaentler den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse über den „historischen Jesus“. (…)

So ist es mit der historischen Wissenschaft: Mit der Rückfrage, wie es denn damals wirklich gewesen sei, gewinnt man kein absolut gesichertes Fundament. (…)

Gerd Theißen plädiert angesichts dieser Sachlage dafür, eine Vielfalt an Jesus-Bildern innerhalb des Christentums zuzulassen und als Bereicherung anzuerkennen, so wie das bereits in und mit den vier Evangelien geschehe. (…) In dieser Vielfalt an Deutungsmöglichkeiten liegt die Inspiration dieses außergewöhnlichen Lebens – auch für heute. Hartmut Meesmann


Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie im Bereich Aktuelle Mitteilungen und im Veranstaltungsarchiv.

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