Presseschau

18. März 2016

Bariton Christian Gerhaher zu Gast in der Katholischen Akademie

KNA


17.3.2016 – Gut besuchte Tagungen gibt es häufiger, doch für ein solch volles Haus, wie es am Mittwochabend in der Katholischen Akademie in München der lyrische Bariton Christian Gerhaher (46) vorfand, hatte zuletzt nur Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gesorgt. Trotz des Champions-League-Spiels des FC Bayern gegen Juventus Turin wollten mehr als 500 Musikliebhaber dabei sein, als sich mit dem Sänger und dem Musikwissenschaftler Siegfried Mauser zwei gebürtige Straubinger in der Reihe „Musiker im Gespräch“ trafen. Für die späte Anfangszeit um 20.30 Uhr war Gerhaher verantwortlich. Wenn er schon mal zu Hause bei seiner Familie in München sei, wolle er abends wenigstens die Kinder ins Bett bringen – so seine Entschuldigung. Als Akademie-Studienleiter Johannes Schießl dies in seiner Begrüßung dem Publikum verriet, gab es einen herzlichen Applaus für den Gast. (…) Wer nicht gerade Experte für das deutsche Kunstlied ist, der erhielt an diesem Abend einen Einblick. Gerhaher erläuterte Aufbau und Inhalt berühmter Liedsammlungen. Wie schön wäre es, wenn jeder Liederabend ein solch begleitendes Programm hätte, mag mancher Zuhörer gedacht haben. Dann würde vielen die Angst genommen, eine Karte für ein solch eher elitäres Kunsterlebnis zu erwerben. Und vor allem, wenn auch noch jedes Wort aus des Sängers Mund verständlich rüberkommt.
Vielleicht ist ja sein abgeschlossenes Medizinstudium der Grund dafür, dass Gerhaher an die Werke herangeht wie an einen Körper, den es zu sezieren gilt. „Die Medizin ist mein akademisches Grundgerüst.“ (…) Am Ende hat sich Gerhaher dann doch für seine zweite Leidenschaft, den Gesang entschieden – und damit ein weiteres Studium drangehängt. Ein Konzertabend mit Hermann Prey, der Schumanns „Dichterliebe“ darbot, berührte ihn als Medizinstudent dermaßen, dass er seinen ebenfalls aus Straubing stammenden Freund Gerold Huber, der damals in München bereits Klavier studierte, bat, mit ihm autodidaktisch genau jenes Werk über Wochen einzustudieren.
Noch mehr als Prey ist Dietrich Fischer-Dieskau sein großes Vorbild, dessen riesiges Repertoire er aber für sich nicht sieht. Gerhaher machte auch keinen Hehl daraus, dass ihm manche Musik nicht liegt. Den "Zigeunerbaron", den er in seinen Anfangsjahren am Theater in Würzburg singen musste, halte er für ein „entsetzliches Stück“. Längst kann er sich die Werke aussuchen, wie etwa Wagners „Tannhäuser“, in dem er mit seiner Interpretation des „Wolfram“ derzeit Furore macht. Barbara Just

 

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